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100 Cellisten Hamburg – die Cellotage 2012 im Rückblick

Wie so oft beginnen die Dinge mit einem Anruf. „Hallo, hier ist Kathrin Brand! Wir planen da ein Projekt…“ So oder ähnlich muss es auch 2002 gewesen sein, als die Cellotage Hamburg ins Leben gerufen wurden. Bei uns in der Geigenbauwerkstatt klingelte vor ein paar Wochen das Telefon: Eine junge Cellistin hatte den Initiatoren der Cellotage meinen Mann als Geigenbauer empfohlen. Und so entstand für ein Wochenende eine intensive Zusammenarbeit der ganz besonderen Art…

Cellotage Hamburg
, was ist das? Das ist ein vom Arbeitskreis Musik in der Jugend (AMJ) gefördertes Projekt, bei dem bis zu 100 Kinder und Jugendliche unter professioneller Leitung ein Wochenende lang Cello spielen. Was sage ich, spielen… erleben! Denn die Cellotage sind viel mehr als nur Spiel: Hier wird intensiv im großen Celloorchester und in kleinen Ensembles geprobt und auf ein gemeinsames Konzert hingearbeitet. „Ziel der Cellotage ist es, Cellokultur zu zelebrieren, jungen Cellisten die Gelegenheit des gemeinsamen Musizierens in einem festen Rahmen zu geben, neue Stücke kennen zu lernen, neue Formate auszuprobieren, Freundschaften zu schließen, mit Spass und dennoch fokussiert auf ein gemeinsames Konzert hinzuarbeiten, sich gegenseitig beim Cellospielen zu motivieren“, heißt es auf der Website der 100 Cellisten.

Was mich an diesem Projekt begeistert, ist, dass alle mitmachen können: Jeder Teilnehmer, der die ersten 4 Lagen sicher beherrscht und ein gutes Gefühl für Rhythmus hat, bekommt die Möglichkeit, in einem Ensemble zu spielen, das seinen Fähigkeiten entspricht. Beim Konzert spielt jeder eine Stimme, die er gut bewältigen kann. Und so haben beim diesjährigen Konzert Kinder ab 8 Jahren mitgespielt! Wer dabei war, weiß, wie hochkonzentriert die Kinder und Jugendlichen bei den Proben und beim Auftritt waren. Gespielt wurden diverse Stücke, die sich die Teilnehmer im Vorfeld mit ihren Lehrern erarbeiten konnten. Dieses Jahr war u.a. ein Stück dabei, das ein Jungstudent aus Bremen (Komposition) als 14-Jähriger komponiert hatte: die Gedanken einer Robbe. Höchst musikalisch und humorvoll! Es standen Werke von Dvorak, lateinamerikanische Musik, Populäres und eine Uraufführung von Dirk Meissner auf dem Programm.

Als Solist hat Jens Peter Maintz den 100 Cellisten die Ehre erwiesen. Die Leitung hatten Initiatorin Kathrin Brand und Sven Holger Philippsen. Weitere Dozenten waren Sergey Novikov und Konrad von Oldenburg. Und die Schirmherrschaft über das Projekt der 100 Cellisten hat kein Geringerer als Prof. Dr. Dr. Hermann Rauhe.

Neben den Proben findet in jedem Jahr für die Kinder und Jugendlichen ein spannendes Rahmenprogramm statt. Dieses Jahr haben die Hamburger Geigenbaumeister Matthias Tödtmann und Frank Frobeen (mein Mann) auf frische Art einen Einblick in ihre Arbeit gegeben und u.a. gezeigt, wie ein Cello von innen aussieht, wie Saiten, Stimme und Steg den Klang beeinflussen können und was man als Geigenbauer macht, wenn jemand mit einer Tüte Kleinholz vorbeikommt, das mehrere Tausend Euro wert ist. Ich spreche von einem italienischen 3D-Puzzle…

Da bei 100 Cellisten auch mal ein Unfall passieren kann, war es nur logisch, dass während der Cellotage immer ein Geigenbauer in der Nähe war. So hat mein Mann in einer Feuerwehraktion einen Riss geleimt, Saiten aufgezogen, Stege gerüttelt und vor dem Konzert ein paar Bögen neu bezogen. Übrigens sind die Cellotage Hamburg nicht nur für Hamburger Cellisten gedacht! Es kommen Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland zu diesem Ereignis, das sich mittlerweile in der Hamburger Musikszene etabliert hat. Ein tolles Projekt – und ein tolles Wochenende!

Autor:

Frobeen

Übersetzerin, Texterin, Märchenschreiberin: Texte und Töne, ich arbeite direkt in einer Geigenbauwerkstatt! :o)

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