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Betrug und Abzocke mit alten Geigen

Ich leb ja auch hinter dem Mond ­čśë Diese Geschichte mit diesem Geigenh├Ąndler der da verhaftet worden ist wegen seiner Stradivari-Betr├╝gereien hab ich erst jetzt mitgekriegt. Ihr wisst bestimmt wen ich meine. Was meint ihr wird eigentlich sehr viel betrogen mit alten Geigen? Ich mein nicht mal so die ganz ber├╝hmten teueren. Und auch nicht den Gag mit den Stradivari-Zetteln, die nicht echt sind. Wenn ich ├╝ber den Flohmarkt gehe schau ich mir mindestens 4-5-6 Geigen an und manchmal ist ein ganz schlauer H├Ąndler dabei der will mir eine f├╝r 800 Euro andrehen. Wo die bessere nebenan nur 50 kostet. Solche Geschichten kennt ihr doch auch, oder? Vielleicht sammeln wir mal, als Warnung ­čÖé

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Mitglied von violinorum.de

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ententon

    Hallo, viosine,

    in der Tat muss man sicher aufpassen, welche Instrumente einem f├╝r welchen Preis „angedreht“ werden. Aber es ist nat├╝rlich auch die eigene Entscheidung, wo und wie ich mein Instrument kaufe. Gehe ich ├╝ber einen Flohmarkt und sehe da Geigen, kann ich Gl├╝ck haben und ein Instrument erwischen, das von jemanden verkauft wird, der die Geige einfach nur los haben will, trotzdem ist sie okay…… echte „Sch├Ątze“ sind eher selten und die Geschichten dar├╝ber. Wer das Gl├╝ck hat….. herzlichen Gl├╝ckwunsch. 800 ÔéČ f├╝r ein Instrument auf einem Flohmarkt, w├╝rde ich pers├Ânlich nicht ausgeben.
    Viele Geigenbauer leben davon, dass sie Stammkundschaft haben, die ein Instrument zu einem fairen Preis kaufen und dann auch zur Wartung wieder kommen und das n├Ąchste Instrument vielleicht auch da kaufen, das alte in Zahlung geben k├Ânnen und den Geigenbaumeister empfehlen. Mund zu Mund-Propaganda beschert neue Kunden. Nat├╝rlich verhandelt ein Geigenbauer auch. Und ich, ich werde, wenn ich mir nicht sicher bin, andere Fachleute fragen, …. einen 2. Geigenbauer, Musikp├Ądagogen oder Menschen, von denen ich vielleicht wei├č, dass sie den Wert ungef├Ąhr einsch├Ątzen k├Ânnen…. gerade bei teuern Instrumenten. Erst dann werde ich mich f├╝r einen Kauf entscheiden. Grunds├Ątzlich leihe ich mir das Instrument f├╝r einige Tage aus, spiele es zuhause in Ruhe an, vergleiche verschiedene Geigen usw. Und auch mir steht es dann frei zu handeln. So habe ich bei meiner Geige letztlich 3.100,00 ÔéČ gespart. Ob das nun die korrekte Summe ist, dar├╝ber l├Ą├čt sich streiten, denn ich denke man kann nur eine ungef├Ąhre Preisspanne festlegen. Ob ein Instrument dann einige Hunderter mehr oder weniger kostet ist dann nicht genau zu sagen. Aber es spielt ja auch eine Rolle, ob mir das Instrument pers├Ânlich gef├Ąllt, der Klang, das Aussehen usw. …. spricht es mich an, „verliebe “ ich mich in mein Instrument ? Insofern kommt es darauf an, dass am Ende beide…. Geigenbauer und Kunde zufrieden sind.
    Das offensichlich oder versteckt betrogen wird, glaube ich, ist eher selten. Ob ich ungepr├╝ft und ohne die Worte zu hinterfragen einfach alles kaufe, was mir angeboten wird, h├Ąngt ja auch von mir ab. Echte Betr├╝ger gehen allerdings so professionell vor, wie sie f├Ąlschen, wie sie taktieren, ….. das ist schwer zu ├╝berpr├╝fen und den Sachverstand haben eher andere Geigenbaumeister. Daher ist es schon wichtig, andere Meinungen und Einsch├Ątzungen einzuholen.
    Weichen die Meinungen stark voneinander ab, habe ich ja die M├Âglichkeit das Instrument zur├╝ck zu geben, vorausgesetzt es war zum Anspielen ausgeliehen. Jemand, der so eine M├Âglichkeit einr├Ąumt, muss damit rechnen, dass ich herausfinde, was ein Instrument wert ist und daran erkennt man schon, wer seri├Âs ist oder nicht.
    Das es in jeder Branche „schwarze Schafe“ gibt, erkl├Ąrt sich von selbst und auch, dass ich von einem Instrument auf dem Flohmarkt keine echte“Stradivari “ erwarten kann.
    Bisher habe ich bei den Geigenbaumeistern, die ich kenne keine schr├Ągen Geschichten geh├Ârt, wohl aber von Privatpersonen, die ihre Mitmenschen betrogen haben, z.B. indem sie glaubhaft machen, ein besonders sch├Ânes Instrument zu besorgen und dann die vorhandene Geige nehmen und verscherbeln, gegen ein billiges minderwertigeres INstrument eintauschen…. Da suche ich mir meine Geige lieber pers├Ânlich aus und lasse mir Zeit “ mein Instrument“ zu finden.

    LG Ilka

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  2. Jean Trouvaille

    Da hat Ilka schon eine ausf├╝hrliche gute Einsch├Ątzung gegeben. An der Stelle m├Âchte ich erg├Ąnzen:
    Es gibt „klevere“ Gesch├Ąftsmodelle, die scheinbar seri├Âs erscheinen. Auch Geigenbauer verkaufen ihren Kunden mitunter ├╝berteuerte Instrumente und garantieren ihnen den R├╝ckkauf, wenn sp├Ąter das n├Ąchste hochpreisige Instrument erworben wird. So kann man sich ├╝ber Jahre sicher f├╝hlen und bekommt erst ein Instrument f├╝r 1000 statt 500ÔéČ verkauft und Jahre sp├Ąter das Instrument f├╝r 20000 statt 10000. Erst am Ende der Fahnenstange stellt man dann fest, dass man lange ├╝bervorteilt wurde.

    Deshalb:
    Instrumente immer ausleihen und eine zweite Meinung einholen. Damit darf man auch offen umgehen. Wer sich ein Auto vom Gebrauchtwagenh├Ąndler holt, f├Ąhrt auch kurz in eine freie Werkstatt um den Zustand ├╝berpr├╝fen zu lassen. Kein seri├Âser Geigenbauer hat etwas dagegen. Ein fairer Kollege (oder immer auch Kollegin) wird das Instrument hoffentlich nicht schlecht machen und gleich ein viel besseres Angebot aus dem Regal nehmen…

    Es gibt sie tats├Ąchlich, die schwarzen Schafe. Sie nutzen aus, dass kein Laie eine Wertfeststellung machen kann. Der Lehrer kann oft nur sagen, ob das Instrument klingt und vielleicht ob es gut eingerichtet ist. Wenn man betrogen wurde bleibt immer noch der Rechtsweg offen. Den beschreiten allerdings wenige Menschen. Leichter ist es, das Instrument f├╝r den zu hohen Preis weiter zu verkaufen.

    Und es sind nicht nur die Geigenbauer – leider auch oft genug die Lehrer. Sie haben ein wichtiges Wort mitzureden beim Kauf. Ihre Empfehlung gibt oft den Ausschlag. Holt der Lehrer ein Instrument aus dem Koffer und sagt das ist toll und gut, ist die Sache oft entschieden. Wer stellt sich schon gerne gegen einen Lehrer (vielleicht der Professor).
    Auch hier gibt es einen regen Handel, an dem alle mitverdienen wollen. Der Prof. hat seinen Geigenbauer und kassiert eine Provision und lobt die Instrumente gerne. Da darf es dann auch schon mal ein teures Instrument sein.

    Es ist nicht einfach.
    Herzliche Gr├╝├če aus der Klassikerstadt

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  3. Ententon

    Hallo, Jean,

    nat├╝rlich gibt es auch schlitzohrige Geigenbauer….. daher frage ich mich immer um, wer pers├Ânlich gute Erfahrungen mit einem Geigenbauer gemacht hat. Mund- zu Mund-Propagande bringt da so manche unklare Situation ans Tageslicht. So erf├Ąhrt man, welcher Geigenbauer Instrumente nur in Kommission verkauft, was oft hinderlich bei der Neuanschaffung eines Instrumentes ist. Schlie├člich will man den Wert des alten Instrumentes in die Neuinvestition einsetzen, ohne Risiko, nicht den eingentlichen Verkaufspreis f├╝r das alte Instrument zu bekommen. Geigenbauer, die gleich super tolle Angebote aus dem Hut zaubern, und das zu begutachtende Instrument „schlecht“ reden, rufen bei mir eher Alarmglocken hervor. Meine Lehrerin erz├Ąhlte mir, dass sie fast zwei Jahre lang, durch ganz Deutschland getourt ist, bis sie ihre Geige ( ist wirklich toll) gefunden hat. Allerdings hat sie sicher noch h├Âhere Ma├čst├Ąbe, da sie ihr Instrument ja als Arbeitsmittel t├Ąglich viele Stunden braucht. Ich selbst habe bei drei Geigenbauermeistern verschiedene Instrumente angespielt, miteinander verglichen und selbst zuhause noch mal in Ruhe mit unterschiedlichen Musikst├╝cken ausprobiert. Es klingt schon verr├╝ckt, aber ich habe eine richtige Tabelle angelegt, Musikst├╝cke unterschiedlicher technischer und musikalischer Herausforderung gew├Ąhlt und dann drauf los gespielt. Dabei habe ich die einzelnen Instrumente bewertet. Einige schieden erstaunlicherweise ziemlich schnell aus, so dass es immer leichter wurde, die Wahl einzugrenzen. Dabei habei hat sich u.a. heraus gestellt, dass der Preis alleine nicht sehr aussagekr├Ąftig ist. So ist meine alte Geige, oft genau so gut oder sogar besser gewesen, wie einige Geigen ein bis zwei Preisstufen h├Âher. Da ist dann klar, dass man eine Geige nicht nur kauft, weil sie einen h├Âheren Preis hat. Letzendlich habe ich von 9 Geigen meine Geige und eine andere noch „im Rennen“ gehabt. Die andere hatte es mir dann auch pers├Ânlich ( geschmacklich und vom Klang her ) besonders angetan. Nach zwei weiteren Bewertungen anderer Geigenbauer, die Meinung meiner Lehrerin und eines anderen Musikers, habe ich dann die neue Geige erstanden, nur unter der Vorraussetzung, dass meine Geige bei der Inzahlungnahme sofort auf den neuen Kaufpreis angerechnet wird, ….. und sogar zu dem Preis einer Preisstufe h├Âher, da ich ja mittlerweile selbstbewu├čt den Wert sch├Ątzen konnte. Da gerade bei teureren Instrumenten nicht genau gesch├Ątzt werden kann, ob sie Tausend Euro mehr oder weniger wert sind, sondern oft nur die ungef├Ąhre Preisspanne, habe ich mir durch Handeln noch einen Preisnachlass in Form einer gro├čz├╝gigen Skontierung geben lassen. So habe ich letztendelich 3.100,00 ÔéČ weniger gezahlt, wie urspr├╝nglich veranschlagt und ausgewiesen. Trotzdem war Zufriedenheit auf beiden Seiten. Der Geigenbauer hatte ein teureres Instrument verkauft, ich habe mein Wunschinstrument und ich bin zu mindest in dem Glauben, dass es ein faires Gesch├Ąft war. Der Geigenbauer wei├č, ich werde ihm als Kundin erhalten bleiben und mein Instrument regelm├Ą├čig warten lassen.
    Bei der Begutachtung der Geige durch meine Geigenlehrerin hat sich herausgestellt, das ihre Geige und meine sehr ├Ąhnlich im Klang sind – zum Verwechseln – . Das wirft noch mal den Gedanken auf, dass man oft auch einem bestimmten Klangcharakter hinterher jagt.

    LG Ilka

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  4. Unterscheiden muss man wohl wirklich zwischen Gewinnmaximierungsstreben des H├Ąndlers / Instrumentenbauers und echtem Betrug. Wenn ein bekannter s├╝ddeutscher Versand f├╝r Streichinstrumente in seiner Produktbeschreibung angibt: ÔÇ× … aus der Hand unseres deutschen GeigenbaumeistersÔÇť, dann k├Ânnte er sogar Recht haben. Der Geigenbaumeister hat das neue Cello (auch wenn oben die Meinung zu alten Geigen gefragt war) vielleicht aus der rum├Ąnischen Verpackung genommen. Juristisch gesehen ist das vermutlich nicht einmal eine T├Ąuschung, wohl kann man aber davon ausgehen, dass das Instrument besser dastehen soll als es tats├Ąchlich ist. Verkauft wird tats├Ąchlich ein solides Anf├Ąngerinstrument, jedoch zu einem Preis, der beim Geigenbauer wohl 500,- EUR darunter liegen w├╝rde. Wer lesen (und ausprobieren/vergleichen) kann, ist im Vorteil. Hier kann ich Ilka und Jean nur zustimmen.

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  5. Jean Trouvaille

    Jawohl. Geld verdienen ist ja erlaubt und mu├č sein. Aber es geht schnell ins ├╝bervorteilen ├╝ber.
    Ein guter Geigenbaumeister sollte fair sein und den langfristigen Erfolg anstreben. Solide Arbeit, gute Beratung, fairer Preis. In der Hoffnung, dass Kunden das langfristig mehr sch├Ątzen und es am Ende hei├čt: Die/Der ist gut, da kann man hingehen und zu Recht Vertrauen haben. Ich bem├╝he mich redlich…

    In dem Sinn.
    Jean

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