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Coaching & autodidakischer Unterricht & Stress

Hallo,
ich möchte mal von meiner jetzigen Situation schreiben.

Ich hatte ca. 8 Jahre Geigenuterricht – als Erwachsene angefangen – aber recht unsystematisch (auf meinen Wunsch hin wurden entweder sehr lange Zeit schwierige Stücke oder nur Technik geübt, also nicht „klassisches Repertoire nach X Jahren“.

Den Unterricht habe ich aufgegeben, weil ich die ganze Zeit über aus diversen Gründen Stress hat (hausgemacht) – Stress, nicht rechtzeitig „gut“ zu spielen, Stress, nicht schnell genug das Stück so schnell spielen zu können wie andere Schüler, Stress, weil ich zeitweise in einer sehr hellhörigen Wohnung lebte, Stress, weil ich niemanden mit meinem Üben stören wollte und mir selbst so hohe Ziele setzte, dass ich mich extrem unter Zeitdruck fühlte).

Letzteres war dann Grund aufzuhören, da ich im letzten haben Jahr NUR noch Stress hatte, nicht bis zur nächsten Stunde „gut genug“ (schnell genug, sauber genug) spielen zu können.
Meine Lehrerin war daran nicht Schuld sondern mein eigener … Ehrgeiz, wenn man das so nennen kann.

Man kann sagen, dass ich „Angst“ vor dem Üben hatte, Angst, andere damit zu belästigen, Angst nicht schnell genug gut genug zu sein.

Ich hatte in der ganzen Zeit nur 2 Situationen, in denen ich entspannt üben konnte – wenn in der Musikschule ein Raum frei war, der weit von den anderen weg war, so dass ich niemanden stören konnte udn einaml, als über Weihnachten meine Eltern eine Etage renobierten und ich in einem Zimmer dort übte.

Letztes Jahr habe ich eine Zeit lang wieder gespielt, wollte auch Unterricht nehmen, aber der kam mit der Privatlehrerin nicht zustande.
Mein Gedanke nach dem ersten Anruf bei ihr vor den Sommerferien: Jetzt muss ich mich beeilen, damit ich bei der Probestunde gut genug bin; die ganzen 6 Wochen hatte ich dann Stress und habe wenig geübt/ geschafft – der Unterricht kam von ihr aus dann nicht zustande.

Jetzt habe ich wieder angefangen zu spielen und erlebe bewusst zum ersten Mal ganz entspanntes Üben – ohne Druck, ohne Stress, ohne Zeitnot und es klingt sogar gut bzw. ich schaffe es, langsam zu üben.
Ich spiele sowohl Stücke, die ich schon mal „gelernt“ habe, Stücke, für die ich mir mal Noten geakuft, die ich aber nicht durchgearbeitet habe (Liebesfreud; Legende) und Etüden (Doppelgriffe/ Schütt).

Ich habe jetzt einen anderen Privatlehrer ausfindig gemacht und überlege, mal eine Porbestunde zu nehmen.
Allerdings könnte ich mir nur vorstellen, am liebsten alle 2 Monate mal 2 oder 3 Stunden am Stück so eine Art Coaching zu haben – also Hilfe bei Stücken oder Erarbeitung von Technik/ Etüden, einfach ein paar Verbesserungsvorschläge und Systematik beim Üben.

Bei häufigerem Unterricht würde ich vermutlich wieder in den Stress verfallen, nicht rechtzeitig gut genug zu sein, nichts zustande bringen und bald wieder aufgeben.

Kennt jemand so eine Situation?

Und wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein Privatleher darauf einlässt?

Allein der Gedanke an die Probestunde hat mich schon wieder unter Druck gesetzt, so dass ich den Anruf erst mal wieder um 2 Monate verschoben habe…

LG
Frederica

Autor:

Mitglied von violinorum.de

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. nce

    Ich kann das Problem gut nachvollziehen – wahrscheinlich gehört das zu den größten Nachteilen des Erwachsenendaseins, dass man nicht mehr so locker drauflos murksen kann 😉 sondern immer gleich die Ansprüche mit im Kopf hat, die andere (oft nur vermeintlich) an einen stellen.

    Um so besser, dass Du einen Punkt ohne Stress gefunden hast! Was Du beschreibst, erinnert mich an meinen Wiedereinstieg nach einer längeren (mehrjährigen) Pause. Es ist toll, wenn man dann einfach der Nase nach spielt, und dieser Rhythmus im Umgang mit dem Instrument ist etwas sehr wertvolles – ich habe das geradezu als eine Art Freundschaftserklärung meines Cellos an mich empfunden, und viele gute Rückschlüsse aus dieser Zeit gezogen: fürs Üben, für den richtigen Zeitpunkt, neue Literatur anzugehen usw.

    Das Bedürfnis nach einer „Trainerstunde“ kam auch viel später erst, als ich für irgendeine technisch anspruchsvollere Stelle (weiß gar nicht mehr, was das war) eine Rückmeldung wollte. Ich merkte einfach, dass meine Selbstbeobachtung da nicht mehr ausreichte, wollte mehr wissen über die beste Art und Weise, das zu spielen. Das war eine ganz andere Motivation als alles, was mit Leistungsdruck zu tun hat.

    Mein Fazit also: Es ist gewiss kein Fehler, wenn Du das Glück entspannten Übens einfach und ausgiebig so lange genießt, bis ein guter, einfacher und möglichst musikbezogener Grund da ist, Unterricht zu nehmen.

    Und warum sollte es dann in diesem Moment nicht auch mit gelegentlichen Stunden klappen? Ich habe schon von vielen erwachsenen Amateur-Musikern gehört, dass sie sehr unregelmäßig bis selten Unterricht nehmen – und sich ihre Lehrer gern darauf einlassen. Viele Leute stehen im Berufs- und Familienleben, und können ihren Unterricht gar nicht anders auf die Reihe kriegen. Und es ist doch auch oft eine ganz andere Sache mit erwachsenen Schülern als mit Kindern/Jugendlichen, die man ggf. noch zu Wettbewerbserfolgen führen möchte o. dgl. Ich als Lehrer (wenn ich einer wäre), würde, das ziemlich locker sehen, und auch vereinzelte Stunden gern geben.

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