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Das richtige Alter für den ersten Geigenunterricht

In einer Reihe von Blog-Beiträgen mit allgemeinen Gedanken zum Geigenunterricht geht es heute um das richtige Einstiegsalter.

David Garrett soll seine erste Geige mit vier Jahren bekommen haben, Hilary Hahn auch, und Anne Sophie Mutter war vergleichsweise spät dabei – mit fünf. Blickt man auf die großen Violinisten unserer Tage, scheint die Sache klar: Wer es auf der Geige zu etwas bringen will, der sollte im Kindergartenalter mit dem Geigenunterricht anfangen.

Viele Eltern sind hin- und hergerissen: Einerseits wollen sie den „richtigen“ Zeitpunkt auf keinen Fall verpassen, an dem ein künftiger Paganini eben angefangen haben muss – Bildungsoptimierung ab dem Krabbelalter steht ja hoch im Kurs. Andererseits wollen viele ihrem Kind das Üb-Pensum und die straffe Disziplin nicht zumuten, die ehrgeizige Geigenväter und -mütter ihren berühmten Sprösslingen abverlangt haben. Kindheit bedeutet schließlich auch, frei spielen und sich ungezwungen entfalten zu können. Und für Englisch, Ballett und Reiten soll ja auch noch Zeit übrig bleiben …

Eine beliebte Lösung für das Dilemma bietet die Methode des japanischen Musikpädagogen Shinichi Suzuki. Mit der intuitiven, auf Nachahmung angelegten Methode des japanischen Musikpädagogen sei ein früher, kindgerechter Beginn des Geigenspiels möglich – ohne Drill und Notenlernen, wie viele private Lehrer und Musikschulen in Suzukis Tradition versprechen. Andere Geigenlehrer, die eine eher „akademische“ Methode vertreten, nehmen Kinder grundsätzlich erst ab einem Alter von sechs Jahren zum Unterricht an. In diesem Alter sind die geistigen Voraussetzungen eher zu erwarten, die man zum Verstehen des abstrakten Notensystems und wichtiger musikalischer Zusammenhänge benötigt. Auch die körperliche Entwicklung legt einen späteren Einstieg bei vielen Kindern nahe, z. B. die Beweglichkeit und Länge der Finger.

Wer sein Kind also erst im Grundschulalter zum Geigenunterricht schickt, muss kein schlechtes Gewissen haben – nicht zuletzt ist eine gute musikalische Früherziehung und viel Singen zu Hause und im Kindergarten auch als Vorbereitung für den Geigenunterricht äußerst nützlich.

Die Frage nach dem richtigen Alter, um mit dem Geigenunterricht zu beginnen, stellt sich aber nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die sich fragen, bis wann es möglich und sinnvoll ist, mit dem Erlernen des Geigenspiels anzufangen. Hier ist die Antwort einfach und beruhigend: Auch Senioren nehmen mit Erfolg und Freude Geigenunterricht, und nicht wenige erfüllen sich damit einen Lebenstraum. Natürlich wird man keine Solistenkarriere mehr anstreben, wenn man erst als Erwachsener die Geige in die Hand nimmt. Beglückende Erfahrungen mit diesem wunderschönen Instrument sind aber allemal zu erreichen, sowohl allein als auch im Zusammenspiel mit anderen, sei es im Quartett, Orchester usw. Viele Geigenlehrer, besonders private, haben sich auf den Unterricht von Erwachsenen spezialisiert.

Die Frage, wann man am besten mit dem Geigenunterricht beginnt, hängt also ziemlich eng mit der Frage zusammen, welches Ziel man damit verfolgt und welche musikpädagogischen und erzieherischen Werte man für wichtig hält. Schädlicher, als zu früh oder zu spät anzufangen ist aber auf jeden Fall, gar keinen Geigenunterricht zu nehmen 😉

Autor:

nce

Nils-Christian Engel ist Marketing-Mensch und begeisterter Amateur-Cellist

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Meine Meinung zu Suzuki: Wenn ich mit meinen Kindern zu Hause viel singe, wie Du es ja auch empfiehlst, und überhaupt dafür sorge dass Musik im Haus ist kann ich mir den halben Suzuki sparen und gleich richtig Musik machen. Mit 4 anfangen finde ich aber auch zu früh, was sollen die kleinen Fingerchen denn da schon anstellen?

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    • Meine kleine Tochter hat mit 4,5 Jahren auf eigenen Wunsch mit dem Geigenunterricht nach Suzuki begonnen. Zuerst nur im Gruppenunterricht so ca. ein 3/4 Jahr lang. Mit gleichalten Kindern lachen, singen, tanzen und klatschen. Spielend die Takte lernen, die Lieder die sie später auf der Geige spielt. Dann hat sie ihre erste kleine Geige bekommen. Wenn ich an meinen konventionellen Gitarrenunterricht zurückdenke muss ich sagen soviel spaß und einfühlungsvermögen hatte mein Lehrer und ich nicht. Unser Lehrer hat sehr viel verständnis, einfühlungsvermögen und motiviert sie mit sehr viel Lob und spielerischen Lernen. Singen kann das nicht ersetzen. Vielleicht einfach mal in eine Einzelstunde miterleben und dann urteilen.

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      • Da muss ich dir vollkommen recht geben. Meine Tocher konnte qualifizierten Suzuki Unterricht genießen, meine Enkelin mangels Lehrer hat sogenannten akademischen Unterrricht. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das kann nun aus eigener Erfahrung berichten. Nun kommt der nächste Enkel, der Geige spielen möchte, ich bin bereit, bis 50 km zu fahren, damit der kleine Suzuki Unterricht bekommt.

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