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Der Cellist Maximilian Hornung im Gespräch mit violinorum.de

Manchmal verspürt man im Konzert diesen fast unwiderstehlichen Drang, ungehörigerweise zwischen den Sätzen zu klatschen. Genauso ergeht es mir auch, als ich Maximilian Hornung in Nürnberg höre, beim Kammerkonzert des Privatmusikvereins am 14. November 2013.

Der Cellist, Jahrgang 1986 und vormals 1. Solocellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, tritt hier mit zwei ehemaligen Studienkollegen auf: Alexander Gilman (Violine) und Lech Antonio Uszynski (Viola). Wer es nicht besser weiß, könnte glauben, dass die drei bestimmt 100 Konzerte im Jahr zusammen spielen – tatsächlich jedoch bilden sie kein festes Trio. Eine „Freundschaftsidee“ sei das gewesen, erklärt mir Hornung, als wir uns vor dem Konzert unterhalten. Er, der gebürtige Augsburger, Gilman und Uszynski würden sich aus dem Studium in Zürich kennen. „Normalerweise spielt keiner von uns Streichtrios, da haben wir gedacht, das wär´ doch mal toll!“

Ja, ist es! Das Programm wirkt vergleichsweise unprätentiös (ich sage das, weil sich unter den CD-Aufnahmen Hornungs ja teilweise recht knallige Titel finden – wie „Jump!“ oder „Gassenhauer“): das Es-Dur-Streichtrio op. 3 von Beethoven, das Streichtrio c-Moll op. 249 von Carl Reinecke und die Serenade C-Dur op. 10 von Ernst von Dohnányi. Hornung hat, finde ich, eigentlich auch überhaupt keine Knalligkeit nötig. Er kann offensichtlich ausgezeichnet zuhören und behandelt die Stücke mit unbeschreiblicher Sorgfalt – was auch für die Kollegen gilt. Also nicht etwa eine „Bierlaunen-Freundschaftsaktion“, sondern eine sehr ernsthafte. Und somit echter Kunstgenuss.

Was mir am meisten auffällt, ist die gespannte Aufmerksamkeit, die sich Hornung bis ganz zum Schluss bewahrt. Die Stücke sind anspruchsvoll und lang – das hier ist anstrengend! Trotzdem erkenne ich keine Anzeichen von Erschöpfung oder mangelnder Konzentration. Und: Ich höre quasi keinen unsauberen Ton. Nicht dass mich das überraschen würde: Wenn einer nach der 10. Klasse direkt an die Hochschule wechselt, muss er ja einiges an Talent mitbringen. Und dann wäre da auch noch eine ziemlich stattliche Liste von Auszeichnungen (zuletzt der „Echo Klassik“ 2012), sowie die Förderung durch die „Anne-Sophie Mutter Stiftung e. V.“ …

Am besten gefällt mir der Beethoven. Schon das Werk an sich ist wunderbar: sechs Sätze und kein bisschen Langeweile – dazu passiert einfach ständig viel zu viel Spannendes in der Musik (vor allem in rhythmischer Hinsicht). Gilman, Uszynski und Hornung sind immer absolut synchron – in ihren gemeinsamen Einsätzen wie in der Lautstärke, aber auch und vor allem im Ausdruck. Es gibt so manche schöne Szene, wie zum Beispiel im zweiten Satz (Andante), wo die Stimmen ein bestimmtes Motiv aneinander „weiterzureichen“ haben, und die drei das auch wirklich sichtbar tun – mit vollem Körpereinsatz. Oder am Ende des vierten Satzes (Adagio), wo sie die Spannung nach der letzten Note fast unnatürlich lange zu halten vermögen, ohne dass im Publikum irgendein Mucks, geschweige denn ein Huster, zu hören wäre.

Der Reinecke hat einen etwas anderen Charakter: noch leidenschaftlicher und irgendwie dichter, nicht so filigran wie Beethoven. „Für einen Cellisten gibt´s natürlich nichts Schöneres, als wenn er sich im Klang von romantischen Melodielinien baden kann“, findet Hornung. Nun, hier bei Reinecke, der erklärtermaßen eine „Neuentdeckung“ für ihn war, kann er schwelgen – leider immer nur kurz, dafür aber sehr deutlich übernimmt in diesem Stück das Cello an mehreren Stellen die Führung. Auch die Serenade von Dohnányi, dem ungewöhnlich – und keineswegs im negativen Sinne – konservativen Komponisten des 20. Jahrhunderts, gelingt dem Trio ausgezeichnet. Und das auch, obwohl es hier teilweise ganz schön virtuos zugeht.

Ganz wunderbar übrigens der Klang von Hornungs Instrument: „Wir streiten eigentlich täglich miteinander, wie in einer Ehe“, meint er schmunzelnd, „aber dann wieder sind wir so glücklich miteinander, dass wir alle schlechten Zeiten sofort vergessen.“ Wie er den Klang beschreiben würde? „Es klingt eigentlich genauso, wie ich es mir von einem Cello wünsche: voll, rund, weich und warm. Dabei hat es aber trotzdem noch sehr viel Fokus. Da sind so diese ‚Sandkörner‘ im Klang, wie es eben für italienische Instrumente typisch ist.“

Ob er eigentlich weiterhin als Freischaffender ohne festes Ensemble unterwegs sein wolle, frage ich ihn noch. Bevor er Solocellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wurde, und auch noch während dieser Zeit, gehörte er zum inzwischen nicht mehr existierenden „Tecchler-Trio“. „Ja“, sagt er und klingt sehr überzeugt, „die Leute meinen immer, ich wäre komplett verrückt gewesen, meine Stellung beim BR aufzugeben. Aber es war für mich eigentlich zu früh, mich so fest und dauerhaft an ein Ensemble zu binden. Es war toll dort und ich habe wahnsinnig viel gelernt, aber jetzt ist es an der Zeit, noch mal was anderes zu probieren – weiterzugehen. Aktuell habe ich einfach einen Kreis von verschiedenen Leuten, mit denen ich regelmäßig musiziere. Keine Ahnung, was in zehn oder 20 Jahren sein wird, aber im Moment fühlt sich das so genau richtig an.“

Neue CD-Produktionen (seit 2010 exklusiv für Sony Classical) und natürlich neue Konzerte stehen in den kommenden Monaten an, u. a. mit den Wiener Symphonikern und den Bamberger Symphonikern. Nächsten Sommer hat Hornung sein Debüt bei den Salzburger Festspielen.

Ich wage zu behaupten, dass man von diesem Musiker noch jede Menge hören wird. Ideen hat er jedenfalls offensichtlich genug. Und Energie auch – Ausruhen ist nicht. „Das ist wie beim Fußball:“, fasst er zusammen, „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“

Bildnachweis: Foto mit freundlicher Genehmigung von Maximilian Hornung.

Autor:

juliahartel

Freie Journalistin, PR-Texterin und Lektorin - www.die-textkomponistin.de

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