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Franziska Kraft – im Gespräch mit violinorum.de

Tsching - mit Franziska Kraft, CelloDie Berliner Cellistin Franziska Kraft ist eine Künstlerin, die sich nicht auf althergebrachte Rollenvorstellungen und Sujets festlegen lässt. Die Stipendiatin der Sulzbacher Meisterkurse absolvierte ihre Ausbildung zur Diplom-Cellistin an der Hochschule Hanns Eisler in Berlin und nahm an Meisterkursen bei Peter Hörr, Peter Bruns, Wolfgang Boettcher u. a. teil. Franziska Kraft ist als Solistin, Kammermusikerin und Lehrerin in Berlin tätig; neue Klangoptionen erprobt sie mit dem Ensemble Tsching, das sie gemeinsam mit dem Gitarristen Ben Aschenbach und dem Saxophonisten Helmut Mittermaier gegründet hat – und stellt ihre Expeditionen durch Balkan-Musik, Tango und Swing in Kürze als CD vor. Wir sprachen mit ihr über Tsching, das Verhältnis von Klassik und stilistischer Grenzüberschreitung – und über die Mitspracherechte des Publikums …

Franziska Kraft, wie findet man den perfekten Titel für eine CD?

Tja, den findet man eigentlich nicht – der kommt zu einem! Viele Ideen entstehen oft ganz nebenbei. Irgendwann greift man sie dann auf und merkt, dass das schon mal da war. Und viel Inspiration kommt eben auch durchs Publikum. Nach Konzerten kommen oft Leute zu uns mit ganz wunderbarem Feedback. Die Freude und die Ideen, die dann da sind, nehmen wir mit in unsere nächste Probe oder ins nächste Konzeptionstreffen.

… bzw. Sie gehen noch einen Schritt weiter, wie bei der gerade angekündigten CD Ihres Trios Tsching für die Sie öffentlich nach Titelvorschlägen suchen und zwei Eintrittskarten für das Release Concert verlosen. Ganz spontan würde ich ja sagen „…derassabum“ – aber Spaß beiseite: Wie ist der Stand der Dinge bei diesem Album? Wann soll es veröffentlicht werden und worauf darf man sich freuen?

Tatsächlich machen viele Leute diesen Vorschlag! Aber wir haben auch schon eine Menge E-Mails bekommen mit ganz anderen, spannenden Ideen. Das Album wird im Spätsommer fertig und ab September erhältlich sein. Die Musiktitel sind alle „in Sack und Tüten“, und unser Mischer Oliver Hertkorn hat wirklich gute Arbeit geleistet. Gerade arbeiten wir mit der Grafikerin Marie Emmermann an einer Covercollage. Das Tolle bei ihr ist, dass sie dabei unseren „Klang“ in etwas Sichtbares verwandelt. Besonders schön an der CD finde ich, dass sie den Fokus auf unsere eigenen Kompositionen legt – Balkan, Tango und Swing aus unserer Sicht und aus unserem Leben. Dazwischen gibt es ein paar wirklich gute Arrangements von ziemlich bekannten Stücken, aber welche, das wird noch nicht verraten.

Klingt spannend! Cello, Gitarre und Saxophon sind drei Instrumente, mit denen man bekanntermaßen viel anfangen kann, in den unterschiedlichsten Kontexten – die aber in dieser Kombination nicht gerade oft zu hören sind. Was war der Anlass zur Gründung des Ensembles, was ist seine Idee?

Wir spielen ja schon seit vielen Jahren in unterschiedlichen Ensembles und Bands zusammen. Aber es entstand dann der Wunsch, ein größeres Publikum zu erreichen, und noch mehr unsere eigene Musik und künstlerische Vision zu verwirklichen. So haben wir ein eigenständiges Konzertprogramm entwickelt und arbeiten seither ganz kontinuierlich miteinander. Eine sehr, sehr beflügelnde und spannende Zusammenarbeit. Der Gesamtklang unserer Instrumente ist das, was uns in unseren Proben und Konzerten immer verzaubert. Das ist das, womit wir erzählen wollen, und was uns zu unseren Arrangements und Stücken inspiriert.

Die Kostproben, die man z. B. auf Ihrer Myspace-Seite oder Ihrer Homepage findet, klingen auf jeden Fall vielversprechend! Gehört es heutzutage auch ein bisschen zum Dasein eines Profimusikers dazu, stilistisch so offen und experimentierfreudig wie möglich zu sein? Auch, um sich angesichts der vielbeschworenen Solistenschwemme zu profilieren?

Ein Merkmal unserer Zeit ist es, dass sich vieles durchmischt, vieles ineinander übergeht, Einflüsse immer mehr und schneller wechseln. Das ist einerseits sehr schön, weil sich unendliche viele Möglichkeiten auftun. Andererseits gehört es zur Verantwortung jedes Profimusikers, zu wissen, warum man etwas tut, spielt, entwickelt oder aufführt. Ich glaube, ohne eine gewisse Spezialisierung kann man als Musiker(in) keine qualitätvolle Arbeit abliefern – wahllose Offenheit bringt einen nicht weiter. Wir kombinieren zum Beispiel in unseren Stücken verschiedene Stile und Improvisation, versuchen dabei aber immer authentisch bei unseren Fähigkeiten und Klangidealen zu bleiben.

Wie sieht das in der pädagogischen Praxis aus? Sie unterrichten ja an der Musikschule „Fanny Hensel“ in Berlin und auch privat, unter dem Motto „Lust auf Cello“ – haben Ihre Schüler Lust auf Experimente in Jazz, Tango, Pop usw.? Und was sagen die Eltern dazu?

Stilistische Vielfalt ist eigentlich in allen Bereichen heute mehr die Regel als die Ausnahme. Meine Schüler(innen) sind hellauf begeistert, wenn ich mit ihnen neue Rhythmen oder Bogentechniken oder Improvisationen probiere. Das beflügelt sie auch, wenn sie dann wieder ein klassisches Stück lernen. Es gibt allerdings auch sowohl Kinder als auch Eltern, die ausdrücklich ganz konventionellen Cellounterricht wollen. Das respektiere ich dann natürlich.

Auch bei diesem kurzen Interview soll unsere „rituelle Frage“ nicht ausfallen, die wir allen musizierenden Gesprächspartnern stellen, und zwar nach der musikalischen Persönlichkeit an Ihrer Seite, Ihrem Instrument! Ich habe auf Ihrer Website schon herausgefunden, dass Sie zwei Celli spielen – wie ist die Arbeitsteilung zwischen den beiden? Und was können sie über sie erzählen, wie sind sie zu Ihnen gekommen, wie ist ihr Charakter, welche positiven und weniger positiven Überraschungen haben Sie mit ihnen schon erlebt?

O, das ist eine große Frage! Das ist so, als sollte ich über meine beiden engsten Freunde erzählen. Also, Cello Nr. 1, das jüngere von beiden, habe ich durch einen Zufall vor 8 Jahren kennengelernt. Es war Symphatie auf den ersten Blick. Allerdings litt es noch an ein paar Kinderkrankheiten, weil es nur ein Jahr zuvor erst gebaut worden war, übirgens von dem Geigenbauer Roger Fuhrmann. Dieses Jahr hat es eine Rundum-Kur bekommen und ist jetzt richtig erwachsen geworden: die Optik ist einfach überwältigend, der Klang sehr ausgewogen und voll. Mit ihm spiele ich größtenteils meine Solokonzerte. Cello Nr. 2 wurde etwa vor 100 Jahren vermutlich in Schweden gebaut. Es ist ein sehr robustes Instrument mit wunderschöner Holzmaserung und kräftigem Klang. Ich habe in der Zeit vor meinem Studium nur darauf gespielt. Es ist aber auch manchmal etwas struppig. Mit ihm muss ich mehr „arbeiten“, im wahrsten Sinne des Wortes, es verlangt einem mehr ab. Ich nehme es oft für Open-Air-Auftritte, weil es nicht so empfindlich ist. Ich liebe beide über alles.

Und welches spielen Sie bei Tsching?

Am Anfang nur Cello Nr. 2, in den letzten Monaten Cello Nr. 1. Ich muß mir mal schöne Namen ausdenken …

Ja oder das Publikum fragen! Herzlichen Dank für das Gespräch!

Linktipps:
… zur Website von Franzsika Kraft www.franziskakraft.de
… zur Website des Trios Tsching www.tsching.net
… zur Website der Fotografen Sebastian Thurau und Marcel Dykiert www.farbkuppler.de (Foto oben)

Autor:

nce

Nils-Christian Engel ist Marketing-Mensch und begeisterter Amateur-Cellist

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