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Eine Geige als Geldanlage?

Fragezeichen - die Mittwochsfrage auf violinorum.deDie Mittwochsfrage dieser Woche ist recht nah dran an der letzten – zugegeben! Aber nicht zu nah, denn diesmal geht es nicht um Preisklassen, sondern um einen Aspekt am Geigenkauf, von dem erstaunlicherweise selten die Rede ist:

Ist eine Geige für Euch (auch) eine Geldanlage?

Dieses Thema hat, wenn man einmal darüber nachdenkt, viele Facetten: Da sind die berühmten Preziosen der Kulturgeschichte, im engeren Sinne der Geigenbaugeschichte, die sich nur noch leisten kann, wer über Liquidität in der Größenordnung eines Hedgefonds verfügt. Oft werden diese Stradivaris, Guarneris etc. als Stipendien an Musiker vergeben, die sich so ein Stück nie und nimmer leisten könnten – und wenn sie noch so berühmt sind. Andernfalls landen solche Instrumente auch gern mal im Tresor. Ihr Mythos nährt zudem die Hoffnungen vieler Besitzer oder Entdecker alter Geigen, die mit gut klingenden Namensschildchen versehen wurden: Sollte Opa wirklich eine echte Stradivari besessen haben? Leider entpuppt sich der Dachbodenfund meistens nicht als Hauptgewinn, manchmal als gut spielbares Instrument – das aber in Euro praktisch wertlos ist.

Daneben gibt es exzellente Arbeiten historischer Meister, denen ein vergleichbar hoher Spekulationsfaktor (noch) fehlt. Wer hier den richtigen Riecher hat und heute preiswert erwirbt, was morgen hip ist, kann unter Umständen hübsche Wertsteigerungen einstreichen.

Selbst wenn dieser Effekt aber ausbleibt, stehen die Chancen auf einen stabilen Erhalt des eingesetzten Kapitals meist nicht schlecht, und das will in unseren Tagen auch etwas heißen: Richtig gute Meistergeigen haben oft eine erfreuliche Wertstabilität, solange ihnen nicht unerfreuliche Dinge wie Risse passieren. Hier zählen dann doch wieder handwerkliche Qualität und musikalische Werte mehr als große Namen.

Welche Rolle spielt nun der monetäre Wert einer Geige für Euch? Wie immer könnt Ihr Eine Woche lang per Klick abstimmen, und darüber hinaus unbegrenzt diskutieren.

Umfrage: Eine Geige als Geldanlage

Umfrageergebnis: Eine Geige als Geldanlage?

Autor:

nce

Nils-Christian Engel ist Marketing-Mensch und begeisterter Amateur-Cellist

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Nils!

    Ein ebenso interessantes wie heikles Kapitel. Und ich möchte dazu mit Plattitüden anfangen:

    – Wer am Ende ein kleines Vermögen mit Geigen sein Eigen nennen möchte, sollte mit einem großen Vermögen anfangen.

    – Ein Instrument ist immer genau so viel wert, wie jemand bereit ist dafür zu bezahlen.

    – Vorsicht bei Pferde-, Auto-, Flugzeug- und Geigenhändlern. (Womit jetzt nichts gegen den rechtschaffenen Geigenbauer nebenan gesagt sein soll.)

    Und bei Preissteigerungen läßt man zu häufig die Inflationsrate außer Betracht: Wenn Opa also 1952 eine Geige für 500,– DM (=250,– € – weitere Preise gebe ich gleich umgerechnet in € an) erworben hat und dieses Instrument heute für 2.500,– € verkauft wird: Hat es wirklich an Wert gewonnen? Zum Vergleich: Damals kosteten 1 kg Brot 0,24 €, ein Liter Benzin 0,23 €, ein neuer VW Käfer 2075,– €, der durchschnittliche monatliche Lohn 74,– €, das Familieneinkommen 200,– €. Und Stradivaris wurden zwischen 60.000 und 300.00 Sfr gehandelt – wobei ich leider keinen Umrechnungsfaktor für DM/Sfr für die Zeit gefunden habe, ich schätze mal, daß der Sfr-Kurs so ca. 25% über dem DM-Kurs gelegen haben dürfte. Das relativiert die hohen heutigen Preise doch erheblich.

    1. Reine Spekulation: Kaufe ich nun eine Geige vom Flohmarkt für 20,– € und denke mir: Von einem Verkauf bei Ebay könnte ich mir einen netten Abend machen? Oder gehe ich zu einem renommierten Geigenbauer und kaufe mir ein neues Spitzeninstrument für 20.000,– € und erwarte mir langfristig (10-20 Jahre) einen schönen Gewinn, v.a. falls der Geigenbauer mal nicht mehr leben sollte? Oder habe ich 2.000.000,– € zuviel in der Portokasse und jetzt muß eine Stradivari her um die bei der nächsten Versteigerung mit gutem Gewinn zu „verkloppen“? Das sind mehr als quantitave Unterschiede. Und ich sehe nicht, daß in einem der Fälle ein Gewinn wirklich garantiert ist, am ehesten noch bei der Ebay-Geige.

    2. Wertstabil: Bei Instrumenten zwischen 2.000,– und 20.000,– € wohl schon wenn die Instrumente ihren Preis wirklich wert sein sollten, aber eben langfristig nur wertstabil ohne große Wertsteigerung. Alles darüber halte ich für hochspekulativ – wer hoch steigt kann auch tief fallen.

    3. Schön, wenn einem das Instrument gefällt. Für eine richtige und seriöse Geldanlage halte ich Instrumente nicht, das würde voraussetzen, daß Instrumente entweder garantiert im Wert des Infaltionsausgleichs kurzfristig zu veräußern sind oder eben spekulativ eine überprozentuale Wertsteigerung erfahren. Das mag im Einzelfall möglich sein…

    4. Irgendwie bewundere ich ja Menschen, die bei Konsumgütern beim Kauf schon ganz nüchtern den Differenzbetrag zwischen Kauf- und möglicher Verkaufssumme berechnen, sei es z.B. bei Autos oder Geigen. Dazu gehöre ich nicht, wenn ich das Geld habe und etwas unbedingt haben möchte, dann kaufe ich es auch. Der Preis mag kurzeitig sehr schmerzhaft sein – die Freude währt dafür umso länger.

    Noch eine Plattitüde zum Schluß: Wäre es so einfach mit Geigenhandel Geld zu verdienen, würden es viel mehr Menschen machen.

    Grüße

    Thomas

    Antworten

  2. nce

    Hallo Thomas, danke für Deinen pointierten Beitrag! Ein paar weitere, lockere Gedanken meinerseits:

    Besonders wichtig finde ich erst mal diesen Punkt: Wenn man von Wertstabilität redet, muss man natürlich immer beachten, dass Stabilität auch hier Steigerung bedeutet – die Inflation gibt eine Grenzlinie vor, das sehe ich genau so.

    Ansonsten ist die entscheidende Frage, von welcher Seite aus man an die Investition in ein Instrument herangeht: Ist das Interesse ganz ober überwiegend finanziell, dann ist eine Geige ein hochspekulatives Gut. Deine Differenzierung zwischen

    • dem „kleinen Geschäft“ (Flohmarkt, Ebay),
    • dem Kauf eines Spitzeninstruments und
    • dem einer antiken Geigen-Legende

    finde ich erhellend, wie auch den Hinweis, dass sich im kleinen Bereich unmittelbar gewiss die besten Renditen erzielen lassen. Wenn man über die erforderlichen Fachkenntnisse, Geschick und eine ordentliche Portion Glück verfügt, sind hier schon interessante Deals möglich. Es gibt ja sowohl den (meist privaten) Verkäufer, der seinen Dachbodenfund wg. eines Stradivari-Zettels maßlos überschätzt, als auch den, der mal gehört hat, alles aus Sachsen sei Mist … und ein authentisches Instrument aus gutem Hause unter Wert anbietet. Wenn man unter Wert einmal das versteht, was er hätte erlösen können 😉 Wie aber soll er das einschätzen, und möglichst auch noch den erforderlichen Restaurierungsbedarf dazuzählen? Wo dann bei einem kundigen Interessenten die Grenze zwischen Fairness und Dummheit verläuft, ist nochmal eine ganz andere Frage.

    O ja – wenn es einfach wäre, würden es viele machen …

    Ist das Interesse vor allem musikalisch – und das scheint in unserer überhaupt nicht repräsentativen Umfrage auf eine gewisse Mehrheit zuzutreffen – kann man natürlich auch zufrieden sein, wenn der Wert des Instruments einigermaßen stabil bleibt. Auch ein Verlust im niedrigen Prozentbereich (z. B. durch Inflation) schmälert den Effekt nur marginal, dass das eingesetzte Kapital im Großen und Ganzen erhalten bleibt. Die Rendite ist ja dann eine musikalische, die sich bei professionellen Musikern wiederum in konkreten Einnahmen niederschlägt. Insofern ist ein Teil der Honorare, Gehälter usw. auch eine Art Verzinsung des Geldes, das man in sein Instrument (als „Betriebsmittel“) investiert hat.

    Immer aber gelten die ehernen Gesetze des Marketing: Je bekannter ein guter Geigenbauer ist, gerade ein historischer, um so größer sollte der Marktwert seiner Instrumente sein. Da trägt unsere schreibende Zunft auch ihr Quäntchen zum Bruttosozialprodukt bei 😎 Und wenn ich meinem Pultnachbarn über ein paar Jahre hinweg den Mund wässrig gemacht habe, kauft er mir meine Geige vermutlich zu einem besseren Preis ab, als wenn ich sie über eine Kleinanzeige der breiten Öffentlichkeit andiene.

    Und noch ergänzend: Zum Thema „Schlitzohrigkeit und alte Geigen“ gibt es hier einen weiteren interessanten Thread.

    In Sachen Lebens- und Spielfreude sind diese ganzen Erwägungen zur Geige als Investition natürlich Humbug, da sind wir uns einig.

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