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Leckere Rhythmus-Smoothies

Ein gesundes Rezept für Geschwindigkeit und Intonation – Violinorum-Übetipp

Manche Dinge muss man öfter gesagt bekommen, bis der Groschen wirklich fällt, und das gilt in meinem Fall bei dem sehr hilfreichen Übetipp, den ich euch heute empfehlen will. Obwohl ich das Glück sehr guter Cello-Lehrer hatte, verstand ich den Nutzen dieser Methode erst Jahre später, und zwar beim Surfen in dem ausgezeichneten Blog des Hamburger Geigenlehrers Stefan Maus. Leider befindet sich seine Website seit 2009 im Dornröschenschlaf; aber sie gehört trotzdem zu meinen regelmäßigen Anlegestellen im Netz, einfach wegen ihrer Praxisnähe und Qualität.

Nachhaltig hilfreich ist z. B. sein Tipp, endlose Sechzehntelfolgen und vor allem Akkordbrechungen in rhythmischen Variationen zu üben, oder anders gesagt: sie einmal gründlich durch den Smoothie-Maker zu jagen 😉 Gerade Barock-Junkies wie ich können damit viele Probleme lösen. Der Trick besteht darin, das Sechzehntelchaos mit unterschiedlichen rhythmischen Mustern neu zu ordnen.

Ich zeige euch das einmal an einem Beispiel, und wähle dazu aus persönlichen Gründen 😉 nicht ein Stück Violin- sondern Celloliteratur.

Ein Standardwerk, bei dem man mit rhythmischen Spielereien sehr gut vorankommt, ist BWV 1028, Bachs zweite Sonate für Gambe (Cello) und Cembalo (oder was Ihr greifbar habt …), und ganz besonders der knackige 4. Satz, der sich hinter der vergleichsweise harmlosen Angabe „Allegro“ versteckt.

Wer sich daran schon einmal versucht hat, weiß, dass es das Sechzehntel-Motiv

durchaus in sich hat, so unschuldig es auf den ersten Blick (bzw. hier in Takt 3) auch aussieht. Und das wirklich nicht erst in der Kadenz. Spätestens die Lagenwechsel ab Takt 32 treiben einen schnell in ein krampfiges Gedudel hinein, das bei vielen auch dann nicht endet, wenn sie die Passagen intonationsmäßig im Griff haben.

Was also ist zu tun? Das zum Beispiel:

Oder das:

Etwas spezieller wird es so:

Und dann natürlich auch so:

Traut Euch!

Die Muster kann man sich mit etwas rhythmischer Phantasie einfach selbst einfallen lassen, oder man greift zu Ivan Galamians Standardwerk „Contemporary Violin Technique“, dem die Welt diesen Ansatz verdankt.

Spielerei? Ja! Aber eine sehr nützliche, und das auf vielfache Weise:

Natürlich geht es primär um die Koordination von linker und rechter Hand, um Geläufigkeit und Geschwindigkeit. Mit dieser Methode isoliert ihr von ganz allein die vielen kleinteiligen Bewegungsprobleme – die einen zum Wahnsinn treiben können, wenn man sie immer nur in dem Zusammenhang übt, der auf dem Papier steht.

Ich nutze diese Technik aber auch sehr gern zum „Korrekturlesen der Intonation“: Durch die Veränderung des Rhythmus tauchen plötzlich Unsicherheiten und Fehler auf, über die ihr zuvor einfach hinweggedudelt habt. Diese Töne sitzen aber nicht, selbst wenn sie sich 1.000 mal unauffällig verhalten haben! Wenn ihr also ehrlich zu euch seid und bei jedem noch so kleinen Intonationsproblem kurz innehaltet und die Stelle nochmal nachübt, dann hilft euch diese Übung, auch die letzten Unsauberkeiten im Stück aufzuspüren.

Zuguterletzt beschäftigt die rhythmische Variation das Gehirn, und das ist ein wichtiger Schlüssel für erfolgreiches Üben! Deshalb kann dieser Trick nicht nur für schnelle, sondern durchaus auch für langsame Passagen hilfreich sein. Indem ihr von der rhythmischen Struktur abweicht, die ihr auf dem Papier seht und im Ohr habt, regt ihr euer Gehirn an, sich noch genauer mit den Details eben dieser Struktur zu befassen.

Autor:

nce

Nils-Christian Engel ist Marketing-Mensch und begeisterter Amateur-Cellist

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