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Linke Hand bleibt nicht locker

Was kann ich eigentlich machen wenn sich meine linke Hand „fest frisst“? Ich denke ihr kennt das Problem. Vor allem bei längeren Läufen merkt man richtig wie die Hand immer „fester“ wird und dann ist es mit dem Tempo vorbei, überhaupt kriegt man das Greifen links und den Strich nicht mehr zusammen. Das passiert sogar bei einfacheren Stücken, Marcello Sonaten oder so. Es ist also nicht die Frage ob das Stück zu schwer ist, manchmal klappts ja auch. Was macht ihr wenn die Hand solche Sachen macht?

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Mitglied von violinorum.de

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich denke, das ist weniger ein Problem der Hand als vielmehr des Kopfes. Wenn man etwas mit Zwang will, geht es oft immer schlechter. Insbesondere, wenn man weiß, dass das Problem schon mal da war. Ich würde da so aus der Ferne sagen, schieb einfach mal ein anderes Stück dazwischen, wenn es wirklich kein Problem der Hand selbst ist. Ein melodisches oder eins mit großen Lagenwechseln. Bei dem man sich mal nur auf den Bogen oder den Ton konzentrieren muß. Vielleicht hilft das ja schon, um abzulenken.

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  2. nce

    Hi schello, klar, das Problem kennen wir alle 😀 und wie Johanna ganz richtig schreibt, ist Ablenkung oft schon das beste Hilfsmittel. Und zwar (nach meiner Erfahrung) meistens deshalb, weil das Problem eigentlich nicht in der sich festfressenden Hand liegt, sondern woanders. Wenn man sich ablenkt, mit einer Pause, Lockerungsübungen oder einem anderen Stück, löst man oft nebenbei das Problem, das man noch gar nicht richtig bemerkt hat. Es ist aber auch interessant, diesen versteckten Problemen einmal nachzugehen, und da macht man oft erstaunliche Entdeckungen.

    Gerade bei Stücken wie den Marcello-Sonaten, von denen Du ja auch schreibst, werden viele sicher zum ersten Mal mit solchen Dingen konfrontiert. Zumindest waren das meine ersten echten Festfresser-Stücke, scheint mir zumindest in der Erinnerung. Je mehr Tempo, um so fester. Irgendwann habe ich bemerkt, dass die Finger meiner linken Hand einfach ganz unangemessene Bewegungen machen wollten, die beim schnellen Spiel überhaupt nicht funktionieren können. Besonders dort, wo mir Lagenwechsel oder auch Saitenwechsel unangenehm waren, versuchten sie, jeden Ton festzuhalten als ginge es um´s Leben. Nach dem Motto: Ja nicht daneben greifen, der Rest ist schon heikel genug. Wenn sich jeder Finger aber an seinen Ton krallt, hast Du natürlich keine Chaadmin, schnell wieder wegzukommen. Die Spannung bleibt also erhalten, selbst wenn der Nachbarfinger schon greifen soll, und am Ende ist die ganze Hand ein einziges Krampfgebilde.

    Ich habe dann versucht, den Fingern mehr Sicherheit zu geben, indem ich Läufe ganz langsam auf Intonation geübt habe – was nichts brachte. Das hat die Finger nur darin bestärkt, ängstlich ihren Ton zu suchen, um ihn möglichst nie wieder herzugeben. Damals war für mich der Schlüssel übertrieben ausgeführte Perkussion. Ich stellte mir vor, mein Griffbrett sei eine alte Schreibmaschine, und so habe ich diverse Marcello-Allegros ins Cello hineingetackert dass es eine Freude war 😎 (by the way – das hier trifft irgendwie genau was ich meine …) In einem nächsten Schritt habe ich dann wieder den Rhythmus dazu genommen, Schlag 1 und 3 im Takt stark geklopft, den Rest leichter. So haben sich die Finger wieder von der Saite gelöst und von einander, und hatten weniger Scheu, den Staffelstab an ihren Nachbarn abzugeben. Und plötzlich ließ sich Geschwindigkeit trainieren!

    Nun, was ist dabei passiert? Dazu hat mir viel später Gerhard Mantels wunderbares Buch „Cellotechnik“ die Hintergründe geliefert. Einmal habe ich meinen Fingern einen unangemessenen, aus Angst überschießenden Krafteinsatz abgewöhnt. Habe ihnen gezeigt, dass nicht alle Muskeln, die einen Finger bewegen, mit vollem Einsatz dabei sein müssen – manche Faser muss das gar nicht. Und ich habe damit die Tür geöffnet, um diese hübschen Läufe nicht mehr als Summe einzeln gegriffener Töne zu verstehen, sondern als Gebilde, die diverse Rhythmisierungen haben und auf dem Cello als Bewegungsmuster ausgeführt werden, nicht als Aneinanderreihung einzelner „Saitenhinunterdrückungen“. Wenn ich heute solche Stellen übe, die für die linke Hand oder strichtechnisch anspruchsvoll sind und die ich vorerst nur in einem langsamen Tempo durchdringen kann, dann versuche ich sie auch im langsamen Tempo so zu üben, wie ich sie schnell spielen würde. Mit der gleichen Beweglichkeit des Bogens, die einzelnen Töne so kurz wie sie im schnellen Tempo wären, die linke Hand immer „auf dem Sprung“ usw.

    Ok, soviel dazu. Es gibt aber noch mehr zu entdecken! Die verkrampfte linke Hand kann auch ihre Ursache in einer ungünstigen, unbalancierten Sitzposition haben, und/oder in einer Fehlhaltung des linken Armes, des Handgelenks … all diese Dinge gehören natürlich zusammen. Die Ursache für den Krampf in der Hand kann eine Verspannung im Bereich der Lendenwirbel sein … selbst der rechte Arm kann die linke Hand ungünstig beeinflussen, das kann man sogar spüren, wenn man sich einmal die Zeit dafür nimmt. Auch hier wieder: ein paar Strichübungen auf den leeren Saiten können die linke Hand oft wieder befreien. Da kann man dann sagen: das war Ablenkung. Manchmal war es aber auch eine intuitive Lösung des eigentlichen Problems. Wenn Dir schon besonders auffällt, dass als Folge der festgefressenen linken die Koordination mit der rechten Hand nicht mehr funktioniert, dann vermute ich stark, dass die eigentlichen Probleme (zumindest auch) ganz woanders liegen als in der linken. So ein menschlicher Körper ist ziemlich groß, und gerade am Cello erstaunlich involviert.

    Was schließlich auch sein kann, ist, dass Dir Kraftreserven fehlen. Es hilft sehr, krampfige Passagen einmal dahingehend zu analysieren, ob einem bei bestimmten Bewegungen nach einer Weile schlicht der Saft ausgeht. Natürlich sind die Finger 3 und 4 gute Kandidaten für solche Phänomene, vor allem, wenn sie schnell und leicht agieren müssen, verbunden mit Lagenwechseln, Trillern o. dgl. Vielleicht kann der kleine Finger den nächsten Takt einfach nicht so locker durchtrommeln, wenn er vorher trillern musste. Hier kann unter Umständen ein gezieltes Krafttraining helfen. Auch dazu findet man bei Mantel übrigens gute Hinweise.

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  3. Danke für eure Antworten! Ich werd das mit der Perkussion mal ausprobieren. Lohnt es sich das ich mir das Buch kaufe das du gesagt hast? Sind da auch Kraftübungen drin? Das Gefühl habe ich nämlich wirklich, dass meine Hand einfach nicht mehr kann und darum krampft. Mit Perkussion müsste man auch schon Kraft erzielen, oder?

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  4. celloklang.de

    Hallo schello,

    eine feste linke Hand kann, wie admin schon geschrieben hat, sehr viele Ursachen haben. Neben den Dingen, die schon erwähnt wurden, würde ich auf jeden Fall auf den Daumen achten. Selbst wenn dieser nicht „drückt“, kann er fest sein und das ist eine der Hauptursachen für die Verkrampfung der gesamten Hand.
    Mein Tippfür’s Üben wäre ein übertriebenes Vibrato (also nur zum Üben), auch wenn sich bei Stücken wie Marcello dann schon mal die Zehennägel hochbiegen, weil das stilistisch vollkommen daneben ist 😉 Sprich: bei schnellen Läufen jede erste von vier/acht Noten bzw. Zielnote vibrieren und damit die Hand lockern. Diese Methode ist leider abhängig vom Vibrato und hilft nur, wenn das Vibrato selbst auch unverkrampft ist.
    Unabhängig von der Festigkeit in der Hand: Kraft für Schnelles lässt sich sehr gut durch’s Rhythmisieren (lang-kurz-lang-kurz… und umgekehrt, oder die 1./2./3./4. von vier Noten lang und die anderen schnell) gewinnen, wobei die rhythmisierten Läufe konsequent einige Tage nur so gespielt werden sollten, ohne zu „testen“, ob man schon schneller geworden ist. Rhythmisierte Läufe müssen nicht schnell sein – nur die kurze(n) Noten sehr kurz und die langen sehr lang.

    Vielleicht hilft das weiter! Finde es aber nicht einfach, über etwas zu schreiben, was eigentlich nur persönlich geht 😉
    Viel Erfolg weiterhin…

    P.S.: Kiefer lockern ist auch immer gut.

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