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Neue CD: Musik für Violine und Cello, mit Felix Froschhammer und Florian Rohn

CD Cover Florian Rohn Felix FroschhammerEin anspruchsvolles Album ist es, das Florian Rohn da zusammen mit Felix Froschhammer aufgenommen hat: Es enthält ausschließlich Werke für Cello und Violine, und zwar von Zoltán Kodály, Reinhold Glière und Maurice Ravel.

Ich will ehrlich sein: Als ich die CD zum ersten Mal höre – nach Feierabend und sowieso schon erschöpft –, bin ich hinterher vollständig geplättet. Speziell bei Kodály und Ravel muss ich mich ordentlich am Riemen reißen, um konzentriert zu bleiben. Vielleicht hat es damit zu tun, dass nichts am musikalischen Geschehen vorhersehbar wirkt: Die Musik trägt einen weg, und man hat keine Ahnung, wo man landen wird. Ich sage das nicht, weil ich Hintergrundmusik erwartet hätte (oder gar bevorzugen würde); aber ich kann jetzt zumindest empfehlen, die CD lieber einzulegen, wenn man leidlich munter und aufnahmebereit ist.

Als ich ein paar Tage später mit Florian Rohn telefoniere, erzählt er mir, was ihn und seinen langjährigen Duo-Partner, mit dem ihn auch eine enge persönliche Freundschaft verbindet, zur Einspielung dieser CD bewogen hat: „Felix und ich spielen schon seit unserem ersten Studienjahr in Lausanne zusammen Duos. Wir sind mehrmals gemeinsam aufgetreten und haben zum Beispiel das Ravel-Duo auch in unseren jeweiligen Solistendiplom-Prüfungen zusammen gespielt. Und nachdem wir uns dann schon zehn Jahre mit den Stücken beschäftigt hatten, habe ich zu Felix gesagt: ‚Jetzt müssen wir mal eine CD machen, wir haben den Kodály und den Ravel so gut im Repertoire und uns verbindet so viel mit den Werken, dass wir das jetzt doch unbedingt festhalten sollten!‘“

Technisch anspruchsvoll und komplex geschrieben
Und Rohn bestätigt auch, was kaum zu überhören ist: Speziell das „Duo für Violine und Violoncello op. 7“ von Kodály und die „Sonate für Violine und Violoncello“ von Ravel sind „musikalisch sowie technisch sehr anspruchsvoll und sicher keine Unterhaltungsmusik! Vor allen Dingen Ravel ist in technischer Hinsicht sehr virtuos und komplex geschrieben. Es ist eine Herausforderung, das zu spielen! Bei Kodály ist es ein bisschen anders, dort liegt das Gewicht mehr auf den folkloristischen Elementen. Es gibt übrigens nicht viele, die diese Werke spielen, und wir freuen uns, dass wir eines der wenigen Duos sind, die sie aufgenommen haben.“

Kodály, Glière, Ravel – wollte man den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen diesen drei Komponisten bestimmen, wären es wohl die folkloristischen Einflüssen auf ihre Werke; Kodály etwa sammelte zeitlebens, u. a. in Zusammenarbeit mit Bartók, Volkskunst und -musik. Für den ersten der drei Sätze seines Duos von 1914 ist die refrainartige Wiederkehr von melodischen Passagen mit Pizzicato-Begleitung bestimmend, wobei sich die beiden Instrumente damit jeweils abwechseln. Der Bezug auf die Volksmusik ist eindeutig; ansonsten ist der Satz charakterlich durch einen steten Wechsel von massiven Eruptionen und fast vollständigem In-sich-Zusammenfallen geprägt. Das muss man erst mal rüberbringen.

Rohn und Froschhammer, um nun endlich auf die Interpretation zu kommen, machen das natürlich ausgezeichnet. Vom Zusammenspiel her wirkt alles wie aus einem Guss, und in puncto Ausdruck beherrschen beide eben genau die erforderliche Bandbreite von emotionaler Heftigkeit über bedrückte Nachdenklichkeit bis hin zu totaler Zurückhaltung.

Am zweiten Satz, Adagio, gefällt mir besonders der Schluss: Die Violine spannt eine schöne, mit volkstonhaften Glissandi ausgestattete Melodie auf, die vom Cello mit Pizzicati, später mit gestrichenen, in fragenden Flageoletts endenden Aufgängen begleitet wird. Ein paar kurze schmerzvolle Ausbrüche gibt es noch, dann klingt, auch mit Flageoletts, alles ganz zart aus. Der letzte Satz kommt mir noch nervöser vor als die ersten beiden. Sobald ein Instrument etwas Melodisches zu spielen hat, scheint dies gleichzeitig durch das andere in Frage gestellt zu werden. In der zweiten Hälfte taucht eine volkstanzartige Melodie auf, die etwas regelrecht Unbeschwertes haben könnte, würde sie nicht nach kurzer Zeit harmonisch und rhythmisch verfremdet fortgesponnen.

Bei Glière und seinen „Acht Duetten für Violine und Cello op. 39“ geht es schon melodischer und harmonisch vorhersehbarer zu. Wie auch bei Koály wechseln sich die beiden Instrumente bei den acht Sätzen, von denen keiner länger als zweieinhalb Minuten dauert, immer wieder mit der Führung ab. Der zweite Satz, die „Gavotte“, ist das erste Stück auf der CD, das wirklich fröhlich und unbeschwert-elegant klingt. Nr. 3, ein „Cradle Song“, kommt wieder gefühlvoller daher, das „Scherzo“ (Nr. 7) natürlich sehr drängend, und der achte Satz, „Etude“ bietet am Schluss eine Überraschung, indem er ganz verhalten endet, obwohl er mit hektischen Tremoli begonnen hat und man somit eher einen furiosen Schluss erwartet hätte. Auch bei Glière übrigens ist der Bezug auf Nationalmusik – russische, in diesem Fall – unüberhörbar.

Jetzt: Ravel. Seine Werke sind von spanischer Folklore beeinflusst, wie wir wissen – hier in seiner „Sonate für Violine und Violoncello“ von 1922 (übrigens Claude Debussy gewidmet) höre ich jedoch nicht viel davon. Es gibt bitonale Anklänge und sonstige harmonische „Wagnisse“, die Grundstimmung ist lebhaft bis leidenschaftlich. Gerade der letzte Satz bietet jede Menge Abwechslung in Sachen Dynamik.

„Ideale Symbiose und Ergänzung“
Die Art, wie Florian Rohn und Felix Froschhammer die Stücke ausgestalten, wirkt begeistert und detailverliebt. Nicht umsonst sind beide international erfolgreiche Solisten bzw. Orchester- und Kammermusiker, die sich übrigens überaus gut ergänzen. „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir unglaublich gut zusammenpassen und musikalisch wie freundschaftlich in einer idealen Symbiose fungieren. Da können wir ganz gut voneinander lernen und profitieren.“

Rohn wird diesen Sommer zum letzten Mal die „Aarauer Sommerabendkonzerte“ leiten, ab Herbst gibt er die Intendanz, die er dann drei Jahre lang innehatte, an die Cellistin Daniela Hunziker ab. Auch bei der Konzertagentur „Sonaare“, die er seit Januar 2011 geführt hat, will er künftig nur noch „als Berater im Hintergrund“ tätig sein. Er brauche, so erzählt er, die Zeit und Energie für die Organisation und Vorbereitung seiner eigenen Konzerte und Projekte: Zusammen mit Konzertpianistin Arta Arnicane, mit der er sich zu einem weiteren Kammermusik-Duo formiert hat, sind ebenfalls eine CD-Einspielung sowie für das kommende Jahr eine Schottland-Tournee in Planung. Außerdem stehen 2014 sechs Projekte mit dem „Symphonieorchester Vorarlberg“ an, in dem er seit diesem Jahr als Solo-Cellist wirkt.

Verwandter Beitrag: Florian Rohn – im Gespräch mit violinorum.de (3.6.2011)

 

Kodály – Glière – Ravel: Musik für Violine und Cello
Felix Froschhammer (Violine)
Florian Rohn (Cello)

Arcodiva (Klassik Center Kassel)
58:15 min.

Autor:

juliahartel

Freie Journalistin, PR-Texterin und Lektorin - www.die-textkomponistin.de

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