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Nur ein kleiner „Saitensprung“: Karl Weidler „Nürnberger Präzisionsstahlsaiten“

Saiten – auch Stahlsaiten – sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Meine A-Saite (die „softe“ von Larsen, klanglich wunderbar!) wollte mich vor vielen Monaten an diesen Umstand offenbar wieder einmal erinnern und riss. Ich zog eine alte Pirastro auf (Chromstahl auf P.E.T., „medium“), kam mit ihr so halbwegs zurecht, wünschte mir aber, da ja nicht nur sie, sondern auch die restlichen, noch intakten Larsen-Saiten schon etliche Jährchen auf dem Buckel hatten, einen kompletten neuen Satz Saiten vom Weihnachtsmann.

Was er mir brachte, war ein Produkt aus meiner Region: „Nürnberger Präzisionsstahlsaiten“ aus dem Hause Weidler. Auf den ersten Blick eine gute Idee; dennoch konnte ich mich aus irgendeinem Grund lange Zeit nicht dazu entschließen, sie aufzuziehen. Nun habe ich es endlich doch getan und sehe mich in meiner Skepsis bestätigt: Das mit uns hat keine Zukunft.

Es handelt sich um Saiten mit Vollstahlkern ohne Umspinnung, die es noch dazu in nur einer einzigen Stärke gibt. Erster Impuls beim Spielen: ICH WILL MEINE LARSEN WIEDERHABEN!!! Der Klang mag kräftig sein, aber eben auch arg metallisch – definitiv zu metallisch für mein warm und weich klingendes Cello. Außerdem irritierend: ihr extrem langer Nachklang. Und dann wäre da noch die Ansprache: Besonders auf A und D habe ich den Eindruck, keinen Ton ohne einen anfänglichen schmerzhaften, kleinen Quietscher zustandebringen zu können. Gefällt mir kein bisschen.

Ich will nicht unfair sein: An der Verarbeitung gibt es sicher nichts auszusetzen. Ebensowenig an der Stimmungsstabilität – die ist erstaunlich groß. Unter diesem Aspekt also doch wieder ein solides Produkt, mit dem eine Feld-Wald-und-Wiesen-Cellistin wie ich wahrscheinlich auch zufrieden sein könnte. Ich bin´s aber nicht (wahrscheinlich weil ich so zartbesaitet bin … ;-))!

Es gibt wohl, wie ich aus einem kurzen Telefonat mit dem Hersteller, der Saitenwerkstatt Hartmut Weidler in Nürnberg, erfahren habe, noch eine andere Variante aus dem gleichen Haus: die „Nürnberger Künstlersaiten“. Die haben einen Seilstahlkern mit Chromstahlumspinnung, sind in verschiedenen Stärken zu haben und offenbar auch ein klein wenig teurer. Die wenigstens hättest du mir doch bringen können, Santa, alter Pfennigfuchser! Wahrscheinlich wäre hier das Preis-Leistungs-Verhältnis um einiges besser.

Aber, ganz ehrlich, ich nehme das jetzt lieber wieder selber in die Hand. Mein Geburtstag liegt in nicht allzu weiter Ferne – und damit auch ein Satz vernünftiger Saiten, mit denen mein Cello und ich wieder zufrieden sein können. Da wir treue Seelen sind, werden wir nach unserem „Saitensprung“ zu Weidler mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Larsen zurückkehren. In Sachen Nebengeräusche hatte ich hier dank der Stärke „soft“ kaum Probleme; dass sie mir dabei trotzdem nie zu leise waren, ist vermutlich meinem Cello zu verdanken, das einfach aus sich selbst heraus schon sehr voluminös klingt.

Sollten sich die Nürnberger zwischenzeitlich wider Erwarten doch noch supergut einspielen, werde ich es hier kundtun. Aber ich kann´s mir nicht vorstellen. Vielmehr gehe ich davon aus, dass ich – um diesen letzten Saiten-Gag noch zu machen – dringend wieder andere Saiten aufziehen muss!! 😉

Autor:

juliahartel

Freie Journalistin, PR-Texterin und Lektorin - www.die-textkomponistin.de

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