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Pepi Hofer: Das Pferd in der Cellostunde

Pepi Hofer, Das Pferd in der Cellostunde. Buch-CoverVorweihnachtlicher Kurztipp, nicht nur für Instrumentallehrer

Ja, der sprichwörtliche Kindermund! Querdenken zu können ist eine Gabe, über die die Kleinen auf beneidenswert selbstverständliche Weise verfügen. Jeder, der durch den Umgang mit Kindern privilegiert ist, wird seinen zitierfähigen Fundus verbaler Momentaufnahmen haben, die ebenso ulkig wie geistreich sind – eben Wahrheit kundtun und in souveräner semantischer oder grammatischer Setzung ihren Funken Erkenntnis transportieren.

Nicht nur Eltern und Schullehrer, sondern auch Instrumentallehrer gehören zu den Personen, die solcherlei Perlen regelmäßig vorgesetzt bekommen, auf dass sie sich nicht als Säue erweisen mögen. Der Cellist und Musikschullehrer Pepi Hofer hat vor ein paar Monaten bei Schott eine Sammlung besonders griffiger Unterrichts-Szenen veröffentlicht, die ebenso unterhaltsam wie aufschlussreich zu lesen sind. Begleitet von einem Vorwort von Gerhard Mantel und einer Einführung zur Impact-Pädagogik von Maya Hofer ist das Buch eine anregende Lektüre für Instrumentallehrer und mitübende Eltern, mehr noch: ein Plädoyer, den pädagogischen „Kairos“ nicht zu verpassen, wie die alten Griechen den „rechten Moment“ nannten.

Es ist eben kein Störfaktor, wenn ein Kind die Cellostunde unterbricht und von dem Pferd erzählt, das es sich wünscht – es ist der Punkt, an dem es eine Interaktion anbietet, mit der man es um so tiefer ins Unterrichtsgeschehen holen kann. Und wenn danach ein gedachtes Pferd mit anwesend ist, warum nicht. Oder die Episode Nummer 41, in der der achtjährige Lukas seine Hosentaschen auskramt und neben Panini-Bildchen auch chinesische Münzen, Maikäfer, ein Glücksstein und Notizzettel ans Tageslicht kommen. „Damit ließ sich arbeiten“, war die richtige Schlussfolgerung des Autors: „Paninibilder werden gesammelt, also ‚sammelten‘ wir ein paar Lagenwechselübungen. Die chinesischen Münzen regten uns an, eine pentatonische Tonleiter auf einer Saite zusammenzusuchen. Am Ende des Griffbretts, da, wo der ewige Schnee (Kolophonium) des Himalaja liegt, mussten wir infolge Sauerstoffmangels eine Pause einlegen. Ein Maikäfer brummt beim Fliegen und wir übten damit Strichstellenverschiebungen und Dynamik auf der C-Saite. Den Glücksstein brauchten wir, um Sprünge über zwei Oktaven zu treffen, und den Notizzettel verwendeten wir, um das Gelernte nicht zu vergessen.“

Anders gesagt, „führt die Verknüpfung von methodisch-didaktischen Inhalten mit der jeweiligen Lebenswelt … zu neuronalen Vernetzungen und verstärkt dadurch den Lerneffekt.“ Genau. Und mehr Spaß macht es dann auch, wie Pepi Hofers Buch, das 111 lehrreiche Geschichten aus der Praxis erzählt und mit jeweils 50 Anregungen für Eltern und für Schüler ein Fazit dieser reichen Unterrichtserfahrung zieht. Sehr zu empfehlen!

Pepi Hofer
Das Pferd in der Cellostunde
Praktische Beispiele für kindgemäßen Instrumentalunterricht unter Anwendung der Impact-Pädagogik
Schott Music, Mainz 2011
111 Seiten, einige Farbfotos
ISBN 978-3-7957-0788-0
14,95 €

Inhalt

1. Vorwort von Gerhard Mantel
2. Impact-Techniken in der Pädagogik. Eine Einführung von Maya Hofer
3. Im Cello-Wunderland
4. Randgeschichten
5. 50 Anregungen und Tipps für Eltern
6. 50 Anregungen und Tipps für Schüler
7. Nachwort, Danksagung, Autorenhinweise

Autor:

nce

Nils-Christian Engel ist Marketing-Mensch und begeisterter Amateur-Cellist

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