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Im Pfeifkonzert: Soll man sein Missfallen laut kundtun?

Fragezeichen - die Mittwochsfrage auf violinorum.deBei der heutigen Mittwochsfrage werden wir ein bisschen philosophisch: Geschmack, das wissen wir seit Kant, ist beides: in höchstem Maße subjektiv, und doch zugleich aufs Allgemeine hin gerichtet. Deshalb lässt sich über Geschmacksurteile auch so herrlich streiten, selbst wenn das Sprichwort anderes behauptet … Es drängt einen doch ungemein, sich auszudrücken, wenn ein Kunstwerk Lust hervorruft – und um so mehr, wenn es Unlust bereitet. Davon können sicher besonders die Profis unter Euch, liebe Mitglieder und Besucher von violinorum.de, ihr Liedchen singen.

Also fragen wir Euch heute einmal danach, was Ihr für gutes Benehmen in der Kritik haltet: Niemand wird etwas gegen ein Lob haben, aber darf und soll man auch sein Missfallen über ein Werk der Kunst laut äußern? Ich denke hier an ganz unterschiedliche konkrete Situationen:

  • Haltet Ihr es für richtig, ein schlechtes Konzert einfach zu verlassen – mittendrin?
  • Ist es legitim, einen Schlussapplaus durch Buh-Rufe und Pfiffe zu versalzen?
  • Soll man besser einfach still dasitzen und die anderen klatschen lassen, denen es – warum auch immer – gefallen hat?
  • Und hinterher: Soll ein Journalist ein schlechtes Konzert eher „verreißen“ – oder beschweigen?

Gerade letztere Frage ist natürlich einigermaßen brisant – denn auch ein noch so verantwortungsvoller, gebildeter und erfahrener Kritiker bzw. Rezensent stellt am Ende immer sein subjektives Urteil in den Raum: Eine einzelne Stimme, die im Zeitalter digitaler Medien aber enorme Wirkungen entfalten kann, indem sie sich über die sozialen Netzwerke, Nachrichten-Aggregatoren usw. ausbreitet und potenziert.

Andererseits kann die Alternative auch nicht sein, keine Kritik mehr öffentlich zu äußern. Zumal auch das positive Urteil subjektiv ist, und durchaus seines Gegenteils bedarf, um sich weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt können sowohl positive als auch negative Kritiken von ganz anderen Motivationen beeinflusst sein als vom kantischen Geschmacksurteil – und in einem Volk von Claqueuren wäre das kulturelle Leben am Ende doch auch reichlich öd.

Also: Wie seht Ihr das, wo verlaufen für Euch die Grenzen? Und welche Erfahrungen habt Ihr mit Beifall und Misfallensäußerungen gemacht?

Und hier könnt Ihr wieder mit einem Klick an der Abstimmung teilnehmen – eine Woche lang, wie gewohnt:

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Autor:

nce

Nils-Christian Engel ist Marketing-Mensch und begeisterter Amateur-Cellist

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