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Übpensum — Disziplin?

Guten Tag, ich habe auch eine Frage 🙂 Unsere Tochter ist 9 Jahre und spielt seit circa 5 Jahren Klavier. Sie übt schon ziemlich viel, finden wir als hobby-musizierende Eltern, meistens circa eine Stunde am Tag. Laut ihrem Lehrer (privat, Profimusiker) könnte sie es aber viel viel weiter bringen mit mehr Üben und mehr Disziplin. Wir wollen sie nicht quälen, aber sie soll schon die beste Förderung erhalten. Ihr Lehrer ist da schon sehr gut! Aber wir überlegen auch, ob ein Musikgymnasium nicht gut für sie wäre. Wir stellen uns vor, dass sich die Schüler gegenseitig motivieren und das viele Üben nicht so zur Qual wird.

Deshalb unsere Frage, wie sieht es mit der Disziplin an Ihrer Schule aus? Wie viel „müssen“ die Schüler ungefähr üben, haben sie auch noch Zeit für andere Dinge und für Freundschaften etc.? Uns ist es sehr wichtig dass sich unsere Tochter auch noch frei entfalten kann, auch bei der bestmöglichen Förderung ihres musikalischen Talents. Gibt es ein Mindest-Pensum, das jeder pro Tag absolvieren muss?

Ich hoffe dass wir diese Frage auch stellen dürfen weil das hier doch eine Streichmusik-Homepage ist? 😉 🙂 Und entschuldigen Sie bitte, wenn wir naive Vorstellungen von einer solchen speziellen Schule haben! Danke im Vorraus für Ihre Antwort!

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich möchte noch eine Frage anschließen, die mit der ersten zusammen hängt: wie gut finden sich Absolventen Ihrer Schule in anderen Berufen zurecht? Ich meine, sind sie gut genug qualifiziert, um auch einen anderen Weg einschlagen zu können, wenn es mit einer Musiker-Karriere nicht geht? Aus welchem Grund auch immer! Und entwickeln sie genug Phantasie, damit sie sich auch ein anderes Leben als das eines Musikers noch vorstellen können? Nochmals – vielen Dank!

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  2. Übpensum/Disziplin:

    Üben ist eine Tätigkeit, die Persönlichkeitsentwicklung unserer besonders begabten Mädchen und Jungen ganz wesentlich befördert und nicht behindert!

    Zielstrebigkeit, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin, Kritikfähigkeit, Training des Hörens, Entwicklung von technischen Fähigkeiten am Instrument, Freude am Erreichten, Liebe zur Musik, Umgang mit Misserfolg, Stolz auf das Erreichen eines Ziels und Eigenverantwortlichkeit, Bildung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen – das alles ist mit der Arbeit am Instrument, mit der Beschäftigung mit Musik weitgehend verbunden. Dieses komplexe Geschehen muss pädagogisch abgestimmt, zielstrebig und taktvoll begleitet werden.

    Richtig ist, dass im Musikgymnasium insbesondere unter den Schülern eine Atmosphäre der gegenseitigen Ermunterung, Teilnahme, Unterstützung, Kritik und auch Konkurrenz besteht, die nicht ausgrenzt, sondern Kräfte freisetzt. Jeder neue Schüler bekommt z. B. einen erfahrenen Partnerschüler zur Seite gestellt, der ihm hilft, die Übergangsprobleme in den Griff zu bekommen. Für Lehrer und Erzieher sind all diese Fragen salopp gesagt „Alltäglichkeiten“, also Teil unserer täglichen Arbeit.

    Wie lange ein Schüler üben soll? Eine Stunde für einen Pianisten ist zugegebenermaßen und erfahrungsgemäß wenig – angemessen muss geübt werden. Das lässt sich aber mittels Ferndiagnose nicht bestimmen. Es muss so viel geübt werden, dass sich die Begabung entfalten kann.

    Das Internatsleben und die kleinen Klassen, vielmehr noch der ganz eigene Zusammenhalt im Modell Musikgymnasium bietet besondere Möglichkeiten, soziale Kontakte, insbesondere auch Freundschaften zu bilden und zu pflegen. Musik entfaltet hier ebenfalls ihre ganze Kraft, in unserem Fall Kinder und Jugendliche über Altersgrenzen, Landesgrenzen und aus unterschiedlichen sozialen Schichten miteinander zu verbinden.

    Disziplin ist ein weitgefasster Begriff, der oft missverstanden werden will. Disziplin ist für uns prinzipiell eine wichtige Größe, um unseren Auftrag, junge hervorragend geförderte und gebildete Musikerpersönlichkeiten zu erziehen (!), zu erfüllen. Wir erlauben es uns, uns „auf hohem Niveau über manches pädagogisch verantwortungsvoll zu ärgern“, was andernorts „durchgehen“ würde. Dieses Prinzip begründet sich aber immer im Vertrauen zu unseren Schülern. Mit jeder Aufnahme eines Schülers an unser Gymnasium ist ein Vertrauensvorschuss an ihn verbunden. Denn erst wenn er bei uns ist und die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, haben wir alle gewonnen. Das klappt übrigens sehr gut. Wir haben mit unseren 120 Schülerinnen und Schülern im Alltag auch manche Probleme auszufechten. Schließlich umfassen sie die Altersgruppen von 11 Jahren bis 20 Jahren. Das ist gut so und hält uns Verantwortliche auf Trapp. Wir haben aber eigentlich viel mehr Grund, uns über diese jungen Menschen, die uns anvertraut sind zu freuen. Und stolz sind wir ebenfalls, wenn uns bescheinigt wird, dass unsere Schüler auch deshalb auffallen, weil sie sich zu benehmen wissen.

    Absolventen unserer Schule in anderen Berufen

    Die Informationen, die wir darüber haben erstaunen uns nicht. Diese Absolventen studieren z. B. Architektur, Medizin, Mathematik, Musikmanagement, andere ließen sich erfolgreich in weiteren Berufen ausbilden.

    Die Vorteile (s. o.) schlagen offensichtlich auch hier zu Buche: umfassende Bildung, Selbständigkeit, Belastbarkeit, Zielstrebigkeit, Intensität der Ausbildung und alle Charaktereigenschaften, die in der musikalischen Praxis besonders gefördert werden. Unsere Abiturienten müssen das Zentralabitur ablegen. Das tun sie überdurchschnittlich gut. Wer nicht Musik studieren will, dem stehen alle Studiengänge offen.

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  3. Ich finde auch dass Ihr überlegen müsst, ob es für Eure Tochter „nur“ darum geht, gut Klavier spielen zu lernen. Dann ist eine Stunde am Tag bestimmt schon sehr viel. Oder ob sie für „mehr“ talentiert ist, so dass sie auch Profimusikerin werden kann, dann wird sie ganz sicher deutlich mehr üben müssen, um die Perfektion zu entwickeln, die sie braucht.

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