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Übungen für bessere Atmung

Guten Tag! Ich hoffe ich kann mich trauen hier eine Frage zu stellen 😉 An der kleinen Musikschule in NRW, an der ich Geige unterrichte, habe ich eine Schülerin die nach meinem Dafürhalten ein Problem mit der Atmung hat. Das Mädchen geht in die dritte Schulklasse und hat seit zwei Jahren bei mir Unterricht, von Anfang an. Ich beobachte bei ihr, dass sie, immer wenn eine schwierige Stelle kommt, ganz merkwürdig atmet und manchmal auch längere Zeit einfach die Luft anhält. Ich kann es gar nicht genau beschreiben, es hängt vielleicht auch mit bestimmten Bewegungen oder dem Rhythmus der Stelle zusammen. Natürlich, ich habe sie schon oft darauf hingewiesen und manchmal gelingt es ihr auch, bewußt und gleichmäßig weiter zu atmen, aber ich empfinde, dass sie sich dann mehr auf das Atmen konzentriert und nicht mehr so genau auf das, was sie spielen soll. Gibt es vielleicht ein paar einfache Übungen, die ich ihr zeigen kann, so dass sie eine Brücke über dieses Problem findet? Oder kann man sagen, womit solch ein Problem zusammen hängt? Wenn es Unterschiede gibt zwischen Geige und Cello, in Anbetracht dieses Problems, würde ich mich sehr über eine Antwort von beiden Experten freuen, denn vor Kurzem habe ich mit einer Cello-Kollegin dasselbe Problem fest gestellt. Auch sie hat einen Schüler mit einem ähnlichen Problem. Vielen vielen Dank schon mal! Es ist ganz schön, dass Sie sich Zeit für diese Fragen nehmen!! 🙂

Autor:

Jean Trouvaille

Geigenbaumeister - Weimar. Mehr im Violinorum-Profil ...

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Der Atem ist ein tolles und großes Thema. Ich habe selbst in meiner „Jugend“ wie eine Dampfmaschine geatmet, wurde auch öfters darauf hingewiesen. Der Schlüssel für eine Veränderung in diesem Bereich hatte mit meinem Bewusstsein für Haltung und Bewegung zu tun. Wenn man versteht, das man eine Phrasierung „machen“ kann, also dass hier eine bestimmte Handlung, wie zum Beispiel Gewichtseinsatz oder Bogengeschwindigkeit oder Bogeneinteilung einen direkten Einfluss auf das Musikmachen hat, dann kann sich der Atem aus der alleinigen Verantwortung zurücknehmen. Das gilt auch für alle anderen technischen Bereiche. Wenn das Verständnis bei Läufen für die Ganz- und Halbtonschritte mit Fingeraufsatztechnik und Lagenwechsel mit den dazugehörigen Hilfsnoten usw. wächst, dann kann sich die Emotion beruhigen.

    Das Kind muss mehr „zu tun“ haben, dann ist es mit dem Kopf beschäftigt und das Herz kann sich beruhigen. Außerdem helfen Tonleitern mit allen Doppelgriffen ebenfalls, ein motorisch abrufbares „körperliches Repertoire“ zu entwickeln. Leider hat man an einer Musikschule nicht immer Zeit ins Detail zu gehen – ich weiß das aus eigener Erfahrung!

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  2. Hier noch ein paar Beobachtungen zum Thema Atmung:

    1. Es hat immer wieder Versuche gegeben (u.a. Paul Tortelier!) den Atem irgendwie mit der Bogenführung zu koordinieren – sie sind allesamt gescheitert.

    2. Der Atem (wie der Pulsschlag) ändert sich 1. je nach muskulärer und 2. nach psychischer (also auch musikalisch emotionaler) Situation und Befindlichkeit (Spannung). Diese beiden Kategorien sind aber nur selten identisch: Eine (muskulär) komplexe Stelle kann emotional ziemlich belanglos (z. B. schwere Begleitfiguren), eine simple langsame Tonfolge zum Äußersten intensiv sein.

    3. Den Atem beim Spiel separat zu beobachten, ist verschwendete Aufmerksamkeit, es gelingt auch so gut wie nie.

    4. Angst blockiert den Atem, aber auch die damit verknüpfte Bewegung: Man atmet nur noch ganz oben, die Schultern gehen nach oben, etc.

    5. Der Atem stockt auch, wenn eine schwere Stelle nicht klar definiert ist, wenn das Muster, die Ton- und Fingerfolge nur motorisch „gebimst“ sind. Das dürfte der häufigste Grund für stockenden Atem sein.

    6. Der einzig wirklich betretbare Weg geht also 1. über die detaillierte Beschreibung der Schwierigkeit (wie viele Lagenwechsel, Saitenwechsel und rhythmisch wo, klare Bogeneinteilung etc.), und 2. über die bewusst machbare und erlebbare Körperbewegung: Wenn der Körper überall ein bisschen bewegt ist, leicht schwankt, sich minimal dreht, duckt, aufrichtet, sogar mimisch und gestisch bedingte Ausdrucksbewegungen macht, mögen zunächst ein paar Verspieler entstehen, die mit ein paar Wiederholungen korrigierbar sind – aber der Atem richtet sich dann AUTOMATISCH nach diesen Bewegungen und kann unbeobachtet bleiben.

    7. Als „Test“ kann man sich oder den Schüler auffordern, während einer komplexen Stelle (die ja nie länger als ein Atemzug ist: wenn doch, halt zwei Atemzüge!) einen leisen Brummton zu singen: Das geht nur bei gleichmäßigem Atem. Bei einer Kurs-Studentin, die bei jedem Bogenwechsel einen „Schnappatem“ machte, um die Plötzlichkeit der Bewegungsumkehrung Aufstrich/Abstrich zu schaffen, half diese „Diagnose“ ziemlich gut. Dass diese Plötzlichkeit nur auf der SAITE, nicht aber im Körper (Arm) selbst notwendig ist, kann hier nur erwähnt werden.

    8. Zur Gemeinsamkeit musikalischen Atmens: Jeder Musiker wird einen Einsatz (per Auftakt) mit einem Einatem begleiten.

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