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Wenn die Band Sommerpause hat: die „Fiddler Playalong Cello Collection“ im Test

Fiddler Playalong Cello Collection CoverFür musikalisch einsame Stunden am Cello gibt es die Bach-Solosuiten. Die können aber – Johann Sebastian möge es mir verzeihen – das Musizieren im Ensemble auf die Dauer auch nicht ersetzen.

Meine Band befindet sich in der Sommerpause. Ich gehe etwas missmutig an mein Notenregal und finde dies hier: „The Fiddler Playalong Cello Collection“ (Boosey & Hawkes). Eine wohlmeinende Bekannte hat sie mir vor einiger Zeit geschenkt, als es noch keine Band gab, und ich – zwischen Windeln und Pastinakenbrei, im Dauer-Müdigkeits-Delirium – sowieso keinen Kopf für so etwas gehabt hätte.

Ich habe das Playalong bislang nur einmal kurz ausprobiert – jetzt ist die Gelegenheit, es nochmals ausgiebig zu testen.

Stilistisch ist die von Edward Huws Jones zusammengestellte Sammlung im Bereich „etwas schnulzig bis moderat schwungvoll“ anzusiedeln. Da gibt es Alte Musik („Watkin´s Ale“), Reels („Drowsie Maggie“), „Zigeunermusik“ („The silver leaves of he poplar tree“), Ragtimes („Paragon Rag“), einen Tango („La Cumparsita“) und sogar Weihnachtliches („We three kings of Orient are“). Unangefochtenes Favourite meiner Kinder: „La Cucaracha“ – natürlich.

Und auch wenn eigentlich nichts von alledem meinen Geschmack hundertprozentig trifft (außer vielleicht den ganz alten Sachen): Das Mitspielen zur CD macht Laune! Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass das Playback, also Gitarre, Banjo, Klavier, Akkordeon, Violine, Viola und Cello, nicht synthie-erzeugt ist, sondern von „echten“ Kollegen eingespielt wurde (tatsächlich ertappe ich mich anfangs dabei, wie ich mit irrem Blick den Raum nach meinen virtuellen Mitspielern absuchen bzw. dem CD-Player zulächeln will …). Vielleicht liegt es auch an der Lautstärke – ich muss ohrenbetäubend laut aufdrehen, um die CD nicht zu übertönen. Oder vielleicht auch daran, dass so ein Reel eben einfach ins Blut geht – ich weiß es nicht. Jedenfalls erzeugt das Spielen bei mir schon eine Art „Band-Feeling“ (nur das Spielen natürlich! Nicht der Stil!!).

Außerdem komme ich, gerade bei den schnelleren Stücken, zum Teil gar nicht so einfach mit – was auch zu meiner Erheiterung beiträgt. Bei „Pastime with good company“, einem englischen Volkslied aus der Feder keines Geringeren als Heinrich VIII., soll man sich bei der Wiederholung an einer Variation mit jeder Menge Sechzehnteln versuchen. Und nicht nur, dass ich diese Anweisung in der Eile kaum entziffern kann: Ich stelle fest, dass ich mir diese Passage tatsächlich erst einmal kurz anschauen müsste! Ähnlich geht es mir mit Scott Joplins „Paragon Rag“, der zwar auch nicht über die vierte Lage hinausgeht, der aber durchaus ein paar rhythmische Stolpersteine bereithält und somit eventuell vorher ein wenig geübt werden sollte.

Allerdings gibt es, falls man durchaus nicht üben möchte, für jedes Stück einen zusätzlichen „Easy-cello-Part“, bei dem man die erste Lage nicht verlassen muss und der rhythmisch so simpel ist, dass er problemlos vom Blatt gelesen werden kann. Oder man lässt sich die Nummern erst einmal korrekt vorspielen – auf der CD sind nämlich nicht nur die Playbacks zu hören, sondern auch zusätzlich nochmals alle Tracks komplett mit führender Cello-Stimme, eingespielt von William Bruce.

Außerdem im Set enthalten: eine Klavierpartitur. So lassen sich die Stücke, sofern man einen Pianisten zur Hand hat, denn auch vollständig live vortragen. Laut Einführung passt die Sammlung übrigens auch zu den entsprechenden Bänden für Violine und Viola („The Fiddler Playalong Collection“ Bd. 1 und 2 bzw. „The Fiddler Playalong Viola Collection“), sodass theoretisch sogar gemischte Ensembles aus Geigen, Bratschen und Celli gemeinsam musizieren könnten.

Insgesamt also schon eine ganz coole Sache, die einen auch mal über ensemblelose Zeiten hinwegtrösten kann. Aber eines ist klar: Auf die nächste richtige Bandprobe freue ich mich trotzdem!

The Fiddler Playalong Cello Collection
Cello music from around the world with audio backing and performance tracks
Auswgewählt und arrangiert von Edward Huws Jones
Boosey & Hawkes
ISMN M-060-11784-8
17,81 Euro

Autor:

juliahartel

Freie Journalistin, PR-Texterin und Lektorin - www.die-textkomponistin.de

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